Die Trauer um unsere Sternenkinder – und was dabei helfen kann

Zum Tabuthema Trauer kommt noch das weitere Tabuthema Trauer um ein Sternenkind hinzu

Die Trauer um unsere Sternenkinder ist in vielerlei Hinsicht eine ganz andere Art der Trauer. Das macht es oft noch herausfordernder, hier einen guten und heilsamen Weg für die Sterneneltern zu finden. Umso größer ist an der Stelle allerdings der Schmerz, denn zu der eigentlichen Trauer um das eigene Kind kommt noch hinzu, dass die Sterneneltern häufig gar nicht aufgefangen werden von einem Umfeld, das für diese Trauer Verständnis hat. Es fehlt der Bezug zu dem Kind für Außenstehende und auch die Unsicherheit ist groß, wie man mit der Trauer umgehen soll. Und dem entgegen steht dann auch noch, dass Trauer und der Umgang damit generell ein sehr schwieriges Thema für viele Menschen ist. So kommt zu dem eigentlichen Tabuthema Trauer auch noch das weitere Tabuthema Trauer um ein Sternenkind hinzu.

Dass genau das sehr herausfordernd ist und vor allem sehr einsam machen kann, habe ich selbst auch sehr deutlich erfahren, als ich mein erstes Sternenkind Luca still geboren habe.

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es zwar liebevolle Menschen an meiner Seite gab, die mich eine gewisse Zeit auch sehr gut auffangen konnten und wirklich auch mit ganzem Herz da waren. Allerdings waren das nur sehr wenige. Es gab zu der Zeit auch wirklich viele Freunde, die sich lange Zeit gar nicht mehr gemeldet haben und mir im Nachhinein gesagt hatten, dass sie dachten, ich benötige Zeit, um alles zu verarbeiten.

Und da genau das Thema Einsamkeit, Alleinsein, nicht verstanden werden und noch vieles mehr genau auch ein so großes Thema bei der Trauer um die Sternenkinder ist, möchte ich sehr gerne erzählen, was mir in der ersten Zeit gut getan hat und wie ich die Trauer auch für mich gut erleben konnte.

1. Zuhause einen Platz für dein Sternenkind einrichten

Als ich aus dem Krankenhaus nach Hause kam, war das für mich ein sehr schmerzvoller und intensiver Moment. Ich war völlig alleine zu Hause – mein jetziger Mann und damaliger Vater von Luca und ich waren zu der Zeit getrennt. Die Trauer kam wie ein gewaltiger Orkan über mich herein, als ich in meine Wohnung gekommen bin. Hier war ich ein paar Tage vorher noch jeden Abend ins Bett gegangen mit meinen Händen auf meinem Bauch und ganz verbunden mit meinem Kind. Ich habe Luca erzählt, wie sehr ich mich schon darauf freue, ihn bald in meinem Bauch spüren zu dürfen. Jetzt war da nur ein riesengroßes Loch und eine so extreme Leere. Es zog mir fast den Boden unter den Füßen weg. Auch von der Klinik gab es bei der Entlassung hierzu keinerlei Unterstützung. Ich bekam die Unterlagen für die weiteren Untersuchungen bei der Gynäkologin, aber ob ich eine Unterstützung für meine Seele und Psyche benötige, wurde nicht gefragt und auch nicht angesprochen bzw. vorgeschlagen. Heute weiß ich, wie wichtig genau das aber ist.

Ich spürte diese Einsamkeit in einer sehr extremen Form und den Verlust meines Kindes so sehr in meinem Herzen, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich jetzt tun soll.

Genau dann habe ich angefangen, auf dem Fensterbrett einen Platz für Luca einzurichten. Ich habe eine wunderschöne Kerze aus einem sehr schönen Edelstein aufgestellt, in die man ein Teelicht stellen kann, sodass es die ganze Nacht brennt. Dazu habe ich dann einen Engel gestellt, den ich kurz davor von einer ganz lieben Freundin bekommen hatte. Nach ein paar Wochen habe ich auch das letzte Ultraschallbild hinzu gestellt – am Anfang war mir das noch nicht möglich. Der Platz hat sich auch immer wieder verwandelt und es kamen neue Sachen hinzu, die ich in der Natur gefunden habe und andere Sachen kamen dafür wieder weg. Noch heute habe ich einen kleinen Engel und eine Feder aus dieser Zeit in einem Mobile in unserem Wohnzimmer. Jeden Abend habe ich diese Kerze angezündet und mich Luca sehr verbunden gefühlt. Und natürlich habe ich dabei auch sehr viel geweint – dennoch hat es mir gerade dann auch ganz tief im Inneren etwas tröstendes geschenkt, ihm da besonders nahe zu sein.

2. Grabstätte

Es gab die Möglichkeit, Luca in einem Schmetterlingsgrab – mit allen anderen Sternenkindern – zu begraben. Dies findet bei uns zweimal im Jahr statt und kurz nach Lucas stiller Geburt war auch direkt diese Beisetzung. Ich hatte große Angst davor – vor meinem Schmerz und ob ich damit umgehen kann. Eine sehr liebe Freundin war mit mir dort und dann gab es noch einen anderen sehr besonderen Besuch einer Frau und ihrem Sohn an diesem Tag. Die Beisetzung war für mich extrem schmerzhaft und intensiv, aber auf der anderen Seite auch ein wenig anonym und nicht ganz stimmig. Es gab andere Familien da, jede war mit einem Abstand für sich und es war irgendwie eine komische Situation. Ich hätte mir da mehr Verbindung und Gemeinsamkeit gewünscht. Auch da wurde deutlich, dass das Thema immer noch ein Tabuthema ist…

Dennoch war diese Grabstätte für mich in den ersten Jahren wirklich eine ganz große Hilfe. Das Schmetterlingsgrab ist bei uns auf einem großen alten Friedhof untergebracht, ganz oben auf einer schönen Wiese mit vielen Schmetterlingen und anderen Tieren und wunderschönen Blumen. Man konnte, wenn man wollte, vorher durch den ganzen alten Friedhofsbereich mit all den alten Bäumen und vielen großen Engelsfiguren laufen. Genau das habe ich immer gemacht und es hat mir wirklich gut getan, auf diesem großen Gelände immer wieder neue schöne Engelsfiguren zu entdecken. Ich hatte Luca „mein kleiner Engel“ genannt und deshalb waren es für mich dann immer Zeichen, die mich tief berührt und irgendwie auch getröstet haben.

Gerade an Tagen, an denen es besonders herausfordernd war, bin ich immer wieder an diesen Ort und habe dort geweint und mich trösten lassen. Ich hätte dort gerne auch andere Sternenmamas getroffen, aber das ist nie geschehen.

3. Rituale

Rituale sind für mich schon immer etwas sehr wichtiges und können sehr viel Heilung schenken.

Ein Ritual war es für mich z. B. auch schon, dass ich wirklich über viele Jahre hinweg die Kerze von Luca am Fensterbrett jeden Abend angezündet habe. Als mein Mann zu mir gezogen ist, hatte er genauso eine Kerze, nur mit einem anderen Edelstein, und so brannten viele Jahre unsere beiden Kerzen jeden Abend für Luca.

Dann habe ich Briefe geschrieben an Luca, was ich alles mit ihm machen wollte, warum ich ihn sehr vermisse, wofür ich ihm aber auch sehr dankbar bin. Diese habe ich danach verbrannt und die Asche in die Erde gegeben mit einem Wunsch für mich und für Luca.

Ich habe ein ganzes Tagebuch nur Luca gewidmet und als ich an der letzten Seite angekommen bin, habe ich sehr deutlich gespürt, dass es jetzt wieder Zeit ist, nach mir zu schauen und für mich zu sorgen. Auch das hat gut getan, das plötzlich aus mir selbst heraus zu spüren, weil ich davor sehr intensiv mit dem Schmerz war und diesem auch Ausdruck verleihen konnte. 

An unserer Hochzeit vor einigen Jahren haben wir die Engelsfigur, die ich von einer lieben Freundin bekommen habe und die speziell für Luca war, mit in unsere Trauzeremonie integriert, sodass auch dort Luca mit dabei sein konnte.

Ich habe mir noch einen weiteren schönen Engel gekauft, den ich seitdem in meinen Yogastunden in die Mitte lege – zu vielen schönen anderen Sachen und Kerzen – und ich mich jedes Mal wenn ich den Engel in die Mitte lege kurz mit Luca verbinde und ihm meine ganze Liebe schicke.

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Tanja Vogt
Sternenmama Rituale