Trauerfeiern in Zeiten von Corona

Dass Trauerfeiern aktuell durch Corona auf bis zu 50 Personen bundesweit beschränkt sein werden, wissen wir seit Kurzem. Seitdem ändert sich täglich etwas und das sehr unterschiedlich. Das hat zum einen damit zu tun, dass Bestattungsrecht Länderrecht ist und zum anderen damit, dass jeder Friedhof ein Hausrecht ausüben darf und für sich selbst entscheiden kann, was man darf und was nicht. Es hat sich wie erwähnt etwas herauskristallisiert, dass die Teilnehmeranzahl bei Trauerfeiern eingeschränkt wird (ca. 0–50 Personen, es gibt hierzu verschiedene Infos), manchmal alle Gebäude, wie z. B. Trauerhallen oder Kapellen, geschlossen bleiben und man nur draußen bleiben darf und dass die Trauergäste sich in Listen eintragen müssen, sodass sie schnell zu erreichen sind, sollte jemand aus der Trauergemeinde positiv getestet werden. Wenn man sich für die Kremation entscheidet, gewinnt man auf jeden Fall etwas mehr Zeit, um die aktuelle Social Distancing-Phase zu überbrücken. Das erste Bundesland mit Beisetzungsfrist für Urnen hat diese schon auf 6 Monate verlängert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da Ärger gibt, wenn man wartet, bis sich die Lage beruhigt hat. Ich weiß aber von Zugehörigen, dass es oft (nicht immer) ein großes Bedürfnis gibt, das nicht soooo lange aufzuschieben. Meiner Meinung nach muss man einfach schauen, was individuell die beste Lösung für alle ist. Das zu den Rahmenbedingungen. Viel wichtiger ist mir persönlich gerade die Frage: Was machen wir jetzt damit?

Wie können wir als Gemeinschaft unter diesen Umständen Abschied nehmen?

Ich will dazu einfach ein paar Gedanken teilen, die ich so habe. Dass nicht alle Personen der Trauergemeinschaft an einer Beerdigung teilnehmen können, ist nichts Neues. Nur lag das bisher eher an den Personen, die aus verschiedenen Gründen verhindert waren und nicht an einer Anordnung. Es gibt also bereits Erfahrungen damit, auch wenn die Situationen deutlich weniger radikal waren.

Was in solchen Fällen hilfreich sein kann ist eine bewusste Stellvertretung – in beide Richtungen.

Ideen für Bestattungen und das Abschied nehmen in Zeiten von Corona

  • Das kann bedeuten, dass man zu den eigenen 3 Händen Erde auch noch 3 für „Tante Hilde/Onkel Anton“ nachwirft. Und vielleicht dabei den Namen laut ausspricht: „Die sind von Tante Hilde, die heute nicht da sein kann, aber in Gedanken bei dir und uns ist.“
  • Oder man mag das nicht und sagt: Kauf bitte eine weiße Rose und wirf sie nach.
  • Oder man einigt sich auf gefaltete Kraniche oder Schmetterlinge je mit einem Namen einer:eines Abwesenden darauf, die mit ins Grab gegeben werden. Als letzten Gruß.
  • Man kann auch einen Brief schreiben und darum bitten, dass dieser ungeöffnet mit ins Grab soll oder öffentlich verlesen wird.
  • Und in die andere Richtung: Etwas bei der Trauerfeier dabei haben, dass man dann der Trauergemeinde mit der Post schickt. Das können gepresste Blumenblätter des Blumenschmucks sein mit einem Foto der Urne/des Sarges mit dem Blumenschmuck. Oder ein Baumwollband, dass um die Urne/den Sarg gewunden wird und dann vor dem Senken abgemacht, in Stücke geschnitten und in einen Briefumschlag gesteckt und verschickt wird. Man könnte diese dann jeweils individuell begraben oder kontrolliert verbrennen, jeder in seinem Garten. Oder man könnte sie aufheben und dann zu einer späteren Trauerfeier oder einer Gedenkfeier mitbringen und in einer Schale sammeln oder wieder zusammenknoten und dann beisetzen oder damit das Grab schmücken.
  • Dokumentieren (Fotos, Video) und bewusst erleben und dann weitererzählen (telefonieren oder als Videobotschaft) oder eine Rundmail/einen Brief mit Fotos schreiben.
  • Live-Streams können eine Option sein, allerdings sind hier die technischen Gegebenheiten zu berücksichtigen – nicht auf allen Friedhöfen ist die Netzqualität ausreichend.

Sargdeckel zu Hause bemalen

Und ich möchte noch eine Idee teilen, wie man vielleicht gemeinschaftlich etwas tun kann, solange die Trauerfeiern und begleiteten Kremationen quasi abgesagt sind:
Bei Sternenkindern geben wir häufig den Sarg zum Gestalten mit nach Hause. Bei Erwachsenen treffen wir uns dafür eher bei unserem Fuhrunternehmer und dann kann der Sarg dort in der Werkstatt oder im Abschiedsraum gestaltet werden. Aber wir haben es auch schon mehrfach gehabt, dass wir den Sargdeckel mitgegeben haben. Der passt in einen normalen Kombi. Wenn ihr kein großes Auto habt, fragt in eurem Freundeskreis nach, die Erfahrung zeigt, dass praktische Hilfsgesuche für das Umfeld oftmals dankbar aufgenommen werden. Zugehörige wollen in der Regel gerne unterstützen, wissen aber oft nicht wie und womit. Dann haben Familie und Freunde den Deckel in Ruhe zu Hause bemalt und später wieder zu uns gebracht.

In den aktuellen Zeiten von Corona könnte man den Sargdeckel an einem Ort deponieren, wo Menschen alleine oder Menschen, die zusammenwohnen, Zeit haben, sich in ein Gesamtkunstwerk einzufügen. Egal ob man etwas malt, schreibt oder klebt. Das ginge ohne menschlichen Kontakt. Wichtig ist, dass die Materialien biologisch abbaubar sind. Danach könnt ihr den:die Bestatter:in bitten, dass ein Foto bei der Einfahrt des Sarges in das Krematorium gemacht wird oder (sollte das abhängig vom Bundesland noch zulässig sein) bei der Erdbeisetzung. Dadurch, dass der Sarg vorher eindeutig individualisiert wurde, ist es ganz klar nicht irgendein Sarg mit irgendeiner verstorbenen Person. Manchmal brauchen wir für die Trauer nämlich solche „Beweise“, dass jemand wirklich tot ist.

Wenn es sich um eine „infektiöse Leiche“ handelt, muss der Sarg von außen desinfiziert werden. Aber wenn man z. B. mit Wachskreiden oder Lackstift malt, sollte das kein Problem sein.

Vielleicht gibt es in der zeitlichen Logistik noch ein paar zusätzliche Probleme. Das hat viel mit den örtlichen Gegebenheiten zu tun. Aber wenn ein:e Bestatter:in euch unterstützen möchte und man sich schnell dazu bespricht, dann sollte das eigentlich in den meisten Fällen machbar sein.

Teilhaben aus der Ferne und zum Nachholen in der Zukunft

Auf Abstand dabei sein: Es wird jetzt viele Situationen geben, wo Menschen aus verschiedenen Gründen nicht bei einer Trauerfeier oder einer Kremation dabei sein können, obwohl es ihnen wichtig ist und sie das Gefühl haben, dass sie das bräuchten. Was kann man tun?
Bei Kremationen kann man wie bereits erwähnt darüber nachdenken, die Urnenbeisetzungen auf mehrere Monate zu verschieben. Das ist in manchen Bundesländern schwierig, aber ich denke in der jetzigen Situation sollte es kein Problem sein, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, bzw. werden die Fristen generell ausgesetzt.
Das Problem damit ist, dass diese Zeit, in der man innerlich auf diesen letzten Schritt, die Trauerfeier wartet, für die Trauernden oft sehr belastend ist. Und man sich dann die Frage nach anderen Möglichkeiten stellt.

Was tun, wenn niemand dabei sein kann?

  • Es kann eine Möglichkeit sein, sich beim Krematorium zu erkundigen, an welchem Tag und ggf. auch um welche Uhrzeit in etwa die Kremation stattfinden wird. Dann kann man sich als Trauergemeinschaft z. B. verabreden, dass jeder zu diesem Zeitpunkt bei sich eine Kerze anzündet und ein bestimmtes Lied hört, das für die Trauerfeier geplant war.
  • Man kann statt einer Trauerrede auch eine Zeit vereinbaren, in der jeder ein paar Zeilen des Abschieds aufschreibt. Diese werden entweder bei einer Person gesammelt oder an der Kerze angezündet und verbrannt und damit in den Himmel geschickt, wo 95 % des verstorbenen Körpers durch die Einäscherung auch hingehen – genau in diesem Moment.
  • Ihr könnt Fotos von diesen Momenten machen und sie unter euch als Trauergemeinschaft teilen. Mit diesen Fotos könnte man z. B. bei einer Urnenbeisetzung viel später im Jahr die Kapelle dekorieren.
  • Man könnte auch die Urne still beisetzen lassen und dann vielleicht zum Geburtstag oder zum Todestag eine Feier auf dem Friedhof mit Gang zur Grabstelle machen.

Auch in Zeiten von Corona lässt sich ein Abschied liebevoll gestalten

Werdet selbst aktiv und entwickelt eigene Ideen. Einfühlsame Bestatter:innnen unterstützen euch dabei, individuelle Abschiedsrituale im Rahmen regionaler Bestimmungen umzusetzen.

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