Wenn man sein Kind verliert

Anne beschreibt sehr schön aus ihrem eigenen Erleben heraus, was viele Frauen, viele Paare in den ersten Monaten einer Schwangerschaft durchleben. Eine schwierige Situation. Die Tatsache, dass das Thema noch immer totgeschwiegen wird und der Umgang der Gesellschaft damit eher unbeholfen ist, macht die Verarbeitung des Verlusts oft noch schwieriger.

Leider gibt es auch immer wieder Eltern, die ihr Kind auch nach dem ersten Trimester nicht in „Sicherheit wähnen“ können. Zu diesen gehören mein Mann und ich. Auch wir haben erlebt, was es heißt, in dieser Ausnahmesituation nicht gut begleitet und unterstützt zu werden, gefolgt von der großen Unbeholfenheit im Umgang mit uns und der Situation sowohl im Familien – und Freundeskreis als auch Seitens des Fachpersonals.
Zu erfahren, wie viele Menschen ähnliche Erfahrungen teilen, motiviert mich täglich, weiter meinen Weg zu gehen. Es ist mir ein Herzensanliegen, da zu sein und meinen Beitrag dafür zu tun, Eltern gut begleitet zu wissen.

Für eine gute Begleitung ist ein gutes Netzwerk sehr bereichernd

Es kann sowohl ein fachlicher Austausch untereinander stattfinden als auch ein Netz gesponnen werden, um möglichst viele Menschen kompetent abzuholen, wo genau dies gebraucht wird.

In diesem Bereich kann das an verschiedensten Stellen der Fall sein. Vielleicht erfahren Eltern bei einer Routineuntersuchung, dass das Herz ihres Kindes nicht mehr schlägt. Vielleicht erfahren sie bei der Feindiagnostik, dass die Entwicklung ihres Kindes Auffälligkeiten aufweist. Vielleicht ist das Kind nach der Geburt nicht überlebensfähig, vielleicht ist das Leben mit einem schwerstmehrfachbehinderten Kind für die Eltern nicht vorstell- oder umsetzbar. Diagnosen, Ursachen und Verläufe können ebenso wie die Lebenssituationen sehr verschieden sein. Der Abgrund, der sich in all diesen Situationen im ersten Moment zu öffnen scheint, ist oft sehr ähnlich. Das vermeintlich Schlimmste, das passieren kann, wird zu einer unfassbaren Realität. Einer Realität, die man nicht gewählt hat und die trotzdem alles verändert.

Die Bedürfnisse und Bedarfe der Eltern können hier ganz verschieden sein

Was es braucht ist eine liebevolle und empathische Unterstützung. Menschen, die verständnisvoll und kompetent an der Seite der Eltern und des gesamten Familiensystems sind und sie auf ihrem Weg zu selbstbestimmten und tragfähigen Entscheidungen begleiten.
Tragfähige Entscheidungen können Zeit und einen geschützten Rahmen brauchen. Außerdem Ansprechpartner:innen, die mit Informationen versorgen und Möglichkeiten aufzeigen, damit die Eltern für sich selbst wahrnehmen können, was sich für sie gut anfühlt. So kann eine wichtige Basis geschaffen werden, den Verlust ins Leben zu integrieren. Das kann über Gespräche, Meditationen, kreatives Tun und vieles mehr geschehen. Zum Beispiel auch über die Gestaltung der Abschiednahme und der Beerdigung. Hier können die Eltern aktiv werden und bewusst etwas für ihr Kind tun.

Das Bohana-Netzwerk bietet euch verschiedene Möglichkeiten und Unterstützungsangebote. Ihr findet hier professionelle Ansprechpartner:innen, die euch in dieser besonderen Zeit des Abschieds und der Trauer begleiten. Nach und nach stellen sich auch Vereine vor, die euch langfristig zur Seite stehen. Alle eint der Wunsch, euch und eurem Kind eine liebevolle (letzte) gemeinsame Zeit zu gestalten und auch im Anschluss für euch da zu sein.

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Betty Petri
Trauerbegleiterin