Wie ist das mit den Würmern?

charonstochter
Bestatterin

Verwesung

Beim Thema Verwesung läuft unser Kopfkino meist auf Hochtouren. Das hat auch damit zu tun, dass in unserem Kopf meist allerlei gruseliges Bildmaterial aus vielerlei Medien vorhanden ist, aber wenig „normale“ Bilder und meist keinerlei reale Erfahrung. Das ist ein bisschen als würde man sich Gedanken zu Sex machen, aber nur pornografisches Material zur Verfügung haben. Auf dieser Basis entscheiden dann viele, ob sie ihre Verstorbenen nochmal sehen wollen oder nicht …

Eigentlich müssten wir jetzt natürlich Bilder von normalen Verstorbenen zeigen, aber da wir die Privatsphäre schützen möchten, tun wir das hier jetzt nicht. Wenn jemand stirbt und das Herz nicht mehr schlägt, verändert sich sofort die Balance im Körper und es passiert viel gleichzeitig. Schnelle und langsame Prozesse. Das Blut folgt der Schwerkraft und sammelt sich an der tiefsten Stelle des Körpers. Es entstehen die Totenflecken. Wenn die Hand aus dem Bett hängt, wird sie dunkel, wenn die Hand auf dem Bauch liegt, wird sie bleich und die Unterseite des Oberarms wird „blau“.
Gleichzeitig tritt die Totenstarre ein. Sie kommt in 24 h und geht nach etwa 24 h. Nach 3 Tagen sind Verstorbene also meistens wieder gut beweglich und können problemlos angekleidet werden. Die Totenstarre beginnt im Kiefergelenk, weshalb man früher direkt nach Eintritt des Todes ein Tuch um den Kopf gebunden hat, damit der Mund in geschlossenem Zustand „erstarrt“. Die weitere Verwesung geht hauptsächlich über den Magen-Darm-Trakt. Die nächste sichtbare Veränderung ist meist eine grünliche Verfärbung am Unterbauch. Denn die vielen Bakterien und Pilze, die dort leben, haben jetzt ein anderes Umfeld. Manche sterben und manche freuen und vermehren sich wie wild. Dieser Prozess wird jetzt Jahre so weitergehen oder zumindest bis zur Kremation. Durch Kühlung kann man deren Prozesse verlangsamen, das ist nicht anders als bei Lebensmitteln im Kühlschrank. Da wir hierzulande meist sehr schnell gekühlt werden, tut sich in den ersten Tagen oft gar nicht so viel. Aber es ist ein hochindividueller Prozess! Wir verwesen nach unseren eigenen Möglichkeiten. Da spielen Medikamente, eingelagertes Wasser, Verletzungen etc. eine große Rolle.

Und um es nochmal zu erwähnen, der Sarg wird so tief in die Erde eingelassen, dass man dort keine Würmer oder Maden mehr findet, die sich an den sterblichen Überresten unserer Mitmenschen gütlich tun könnten. Das übernehmen tatsächlich ausschließlich Bakterien, Mikroorganismen, Milben, Pilze … und das Wasser.