Sarg, Urne und Aschekapsel

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Sarg

Warum ich Särge liebe – Erdmöbel. Ein Sarg ist unser letztes Möbelstück. Nicht mehr und nicht weniger. Jeder Mensch, der in Deutschland stirbt, wird in einem Sarg liegen. Jeder. Er ist auch für die Kremation vorgeschrieben. Und ich finde ihn sehr praktisch.

Er fungiert als Schutzhülle beim Transport, aber auch in der Kühlung. Er schafft Intimsphäre und kann ein Stück zu Hause in der Fremde sein, wenn man die Lieblingsdecke oder Lieblingsbettwäsche, ein Foto oder einen bzw. mehrere geliebte Gegenstand mitgibt.

Ein Sarg scheint simpel, ist aber recht ausgeklügelt. Durch die konische Form liegen schmale und breite, dicke und dünne Leute „gemütlich“. Innen ist er mit einer wasserundurchlässigen Schicht ausgekleidet, auf der eine Sargmatratze oder eine Schicht Sägespäne als Saugmaterial liegen. Dann wird der Sarg meist weiß ausgeschlagen. Oft mit rüschiger Kunstseide oder mit Baumwollstoff, weil Kunstseide Geschmacksache ist. Der Stoff wird festgetackert.

Der Deckel ist so gebaut, dass er am Deckelbrett gut angefasst werden kann und er viel Luft umschließt, was für die Verwesung wichtig ist. Geschlossen wird der Deckel, indem er in die „Umrandung“ des Unterteils gedrückt wird, sodass diese unten und an der Seite geruchsdicht abschließt. Also eher wie bei einer Butterdose, als bei einer Brotdose. Erdsärge haben anders als bei Kremationssärgen noch Schrauben mit denen der Deckel zugeschraubt wird und 6 Griffe zum Tragen. Einen Kremationssarg trägt man unter der Randleiste.

Deutsche Särge haben Füße. Das ist besonders praktisch, wenn der Sarg in die Gruft gesenkt wird und danach die Gurte wieder herausgezogen werden. Bei der Kremation ist das Holz des Sarges in den Brennprozess miteinkalkuliert. Er entflammt selbst und verbrennt rückstandslos – bis auf die Tackernadeln.

Wie es ist, einen Sarg selbst zu bauen, erfährst du ganz bald in Annes Blog hier.

Aschekapseln und Urnen

Aschekapseln sind keine Urnen. Was also sind Aschekapseln und wozu sind sie gut?

Eine Aschekapsel ist aus Stahl oder Naturfaser und hat einen Blechdeckel, der nicht geöffnet werden kann, ohne die Aschekapsel zu beschädigen. Nachdem die Asche im Krematorium abgefüllt und die Aschekapsel verplombt wurde, kann man also keine Asche mehr aus Versehen verschütten oder absichtlich entnehmen. Sie ist vor dem Gesetz unteilbar und das wird so sichergestellt.

Auf dem Deckel klebt ein Aufkleber mit den Daten der/des Verstorbenen und dem Namen des Krematoriums. So weiß jeder, um wen es sich handelt, egal ob die Aschekapsel mit der Post verschickt oder im Kremationstransporter zum Friedhof gebracht wird. Sie stellt also sicher, dass Asche eindeutig identifizierbar ist und bleibt. Auch wenn sie das Krematorium verlassen hat. In der Aschekapsel ist außerdem noch ein Schamottstein mit dem Namen des Krematoriums und einer fortlaufenden Nummer. Mithilfe dieser Information kann auch noch nach Jahren in der Erde rückgeschlossen werden, um wessen Asche es sich handelt.

Man kann diese Aschekapsel so wie sie ist beisetzen. Da spricht überhaupt nichts dagegen. Es ist allerdings empfehlenswert, darüber nachzudenken, wie man diese 2–5 kg schwere Aschekapsel in die mindestens 1 m tiefe Gruft bekommt. Der Friedhof würde entweder eine spezielle Zange nehmen oder eine Art langes „Orangennetz“, in welches die Aschekapsel gestellt und worin sie hinuntergelassen wird. Wem das nicht gefällt, kann aber auch selbst etwas mitbringen, z. B. ein Halstuch der/des Verstorbenen oder ein langes Band auf das alle noch etwas geschrieben haben, oder man näht etwas oder baut etwas.

Wer die Aschekapsel noch individualisieren möchte, kann auch mit Lackstift noch etwas draufschreiben oder malen. Aufkleber gehen auch. Möglich ist das auch als Abschiedsritual während der Trauerfeier. Wenn man möchte, kann man also durchaus auf die Urne verzichten ohne gleich pietätlos zu werden.