Friedwald, Friedhof und das Meer

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Tom Rollenhagen
F/I/R/D

Bestattungsarten und Beisetzungsformen

Für die Bestattung sehen die deutschen Gesetze den Friedhof vor („Friedhofszwang“). Für Anhänger von Religionsgemeinschaften, deren Bestattungsbräuche stark von den hiesigen abweichen, bieten einige Friedhofsträger Ausnahmeregelungen an. Erdbestattungen sind prinzipiell nur auf Friedhöfen möglich. Friedhöfe gibt es in konfessioneller und in kommunaler Trägerschaft. Kommunale Friedhöfe stehen allen Menschen offen. Bei Bestattungen von Aschen gibt es neben der traditionellen Form der Aschenbeisetzung im Urnengrab weitere Beisetzungsformen, die nachfolgend beschrieben sind.

Erdbestattung

Zwar können auch Urnen in einem Erdgrab beigesetzt werden, doch im allgemeinen Sprachgebrauch meint die Bezeichnung „Erdbestattung“ die Beisetzung eines Sarges im Erdreich. Erdbestattungen in diesem Sinne sind nur auf Friedhöfen möglich.
Wenn der Verstorbene keine Bestattungsverfügung hinterlassen hat, stehen den Angehörigen viele Entscheidungen bevor: Soll die Bestattung in einem kirchlichen oder in einem weltlichen Rahmen stattfinden? Welcher Sarg ist angemessen? Ist eine Aufbahrung, also eine Verabschiedung am offenen Sarg, gewünscht? Welche Kleidung soll der Verstorbene tragen? Der Bestatter klärt diese Fragen mit den Angehörigen. Er holt den Verstorbenen auch ab. Anschließend versorgt der Bestatter ihn nach ästhetischen und hygienischen Gesichtspunkten, das heißt der Tote wird gewaschen und gekämmt, Körperöffnungen werden verschlossen. Findet eine Aufbahrung statt oder wünschen Angehörige, den Verstorbenen noch einmal zu sehen, schminkt der Bestatter den Verstorbenen. Er richtet ihn so her, dass der Tod etwas von seinem Schrecken verliert. Dann wird dem Toten die Kleidung angelegt. Das kann ein schlichtes Totenhemd sein oder auch die Lieblingskleidung des Verblichenen.

Vor der Beisetzung müssen die Angehörigen auch klären, in welcher Grabform der Verstorbene bestattet wird. Grundsätzlich gibt es drei Grabvarianten:

Einzelgrab: Dabei handelt es sich um ein Grab für eine Person, das von der Friedhofsverwaltung der Reihe nach vergeben wird, deshalb auch „Reihengrab“ genannt.

Familiengrab: Die alternative Bezeichnung ist „Wahlgrab“, weil man sich die Lage des Grabes aussuchen können, sofern es die Platzverhältnisse auf dem Friedhof zulassen. Oft kannst du zudem die Größe des Grabes bestimmen, falls mehrere Personen nebeneinander bestattet werden sollen. Familiengräber sind in der Regel teurer als Reihengräber.

Rasengrab: Manche Friedhofsträger bieten Gräber auf einem Rasenfeld an. Dort kann man auch Gräber nebeneinander erwerben und einen ebenerdigen Grabstein verlegen. Dabei handelt es sich um eine kostengünstige Variante, denn hier entfällt die Grabpflege.

Wer sich für ein Grab entschieden hat, erwirbt für eine gewisse Dauer das Nutzungsrecht darauf. Bei einem Wahlgrab ist dieses Recht meist verlängerbar. Ist die Frage nach dem Grab geklärt, kann die Beisetzung stattfinden. Dafür überführt der Bestatter den Verstorbenen an den Bestattungsort und sorgt in Absprache mit den Angehörigen für das gewünschte Ambiente.
Bei einer konfessionellen Erdbestattung erfolgt die Beisetzung meist im Rahmen einer kirchlichen Trauerfeier. Auch weltliche Zeremonien, bei der meist ein freier Trauerredner spricht, sind hierzulande üblich.

Feuerbestattung

Bei einer Feuerbestattung wird der Verstorbene in einem Krematorium verbrannt. Auch dafür wird ein Sarg benötigt. Auf deutschen Friedhöfen gibt es fünf verschiedene Arten von Urnengräbern.
Niemand darf in Deutschland gegen seinen Willen verbrannt werden. Bedingung für eine Feuerbestattung ist also der Wunsch des Verstorbenen, den er im Idealfall in einer schriftlichen Willenserklärung festgehalten hat. Ist zumindest kein gegenteiliger Wunsch des Verstorbenen bekannt, können auch die Angehörigen eine Feuerbestattung beantragen. Eine Feuerbestattung muss zudem von den Behörden genehmigt werden, damit Schadstoffbelastungen, etwa durch Chemotherapiemmedikamente, ausgeschlossen werden können. In vielen großen Städten sind fast 50 Prozent aller Beisetzungen Feuerbestattungen.
Sind die Formalitäten geklärt, bespricht der Bestatter mit den Angehörigen, wie die Zeremonie gestaltet werden soll. Auch bei der Feuerbestattung werden ein Sarg und Totenkleidung benötigt. Eine weitere Frage: weltliche oder konfessionelle Bestattung der Asche? Wie bei einer Erdbestattung bereitet der Bestatter den Leichnam für die Feierlichkeit vor: Er wäscht und kämmt ihn – gegebenenfalls wird er auch geschminkt. Schließlich wird der Verstorbene ins Krematorium überführt. Dort kann auf Wunsch auch eine Abschiedsfeier stattfinden.
Im Krematorium wird außerdem eine zweite Leichenschau durchgeführt, um die Identität des Verstorbenen und die Todesursache eindeutig zu klären. Denn nach der Kremation eines Leichnams ist das nicht mehr möglich. Um die Asche auch hinterher eindeutig identifizieren zu können, wird dem Leichnam ein unzerstörbarer Stein mit in den Verbrennungsofen gegeben. Dieser heißt „Schamottstein“ oder „Ofenmarke“ und trägt eine individuelle Nummer sowie den Namen des Krematoriums. Die Krematoriumsmitarbeiter heizen den Ofen auf etwa 900 °C vor, dann fahren sie den Sarg ein. Durch dosierte Luftzufuhr entflammt der Sarg und verbrennt. Etwa 60 bis 90 Minuten, je nach Körpergröße und Gewicht, dauert der Kremationsprozess. Anschließend werden Metallteile des Sarges aus der Asche herausgefiltert; chirurgische Stahlteile, etwa künstliche Gelenke, sammeln Mitarbeiter von Hand aus und geben sie an ein Spezialunternehmen zur Wiederverwertung. Manche Krematorien spenden den Erlös wohltätigen Zwecken. Die Asche des Verstorbenen wird in ein Transportgefäß gefüllt und dem Bestatter übergeben. Anschließend erfolgt die Beisetzung der Asche, traditionellerweise auf einem Friedhof. Hierbei kann zwischen mehreren Grabformen entschieden werden:

Aschegemeinschaftsgräber: Hierbei handelt es sich um eine Verstreuung der Asche auf einem Rasen- oder Wiesenfeld ohne Kennzeichnung der Grabstelle. Am Rand können Blumen abgelegt werden. Die Grabpflege übernimmt die Friedhofsverwaltung. Das Nutzungsrecht liegt bei etwa 20 Jahren.

Urnengemeinschaftsgräber: Diese Beisetzungsform ist dem Aschegemeinschaftsgrab sehr ähnlich. Allerdings wird hier die Asche in einer Urne auf einem Rasenfeld beerdigt.

Urnenreihengrab: Die Friedhofsverwaltung weist eine Grabstelle zu, die für etwa 20 Jahre genutzt werden kann. Um die Grabpflege kümmern sich die Angehörigen.

Urnenwahlgrab: Hierbei handelt es sich um eine etwas teurere Variante, da das Grab gewählt und als Familiengrab genutzt werden kann. Das heißt es dürfen – auch zeitlich versetzt – mehrere Urnen in diesem Grab bestattet werden. Das Nutzungsrecht ist verlängerbar.

Urnenwandgrab („Kolumbarium“): Hierbei können bis zu 4 Urnen in einer Nische in einer Wand beigesetzt und mit einer Gedenktafel abgedeckt werden. Meist besteht eine Ablagefläche für Blumen. Das Nutzungsrecht beträgt etwa 20 Jahre und ist verlängerbar. Eine ähnliche Form ist die Urnenstele, bei der mehrere Urnen übereinander beigesetzt werden.
Neben der Urnenbeisetzung auf einem Friedhof gibt es noch andere Möglichkeiten, Asche bestatten zu lassen, etwa in einem Friedwald oder im Rahmen einer alternativen Bestattung im Ausland.

Seebestattung

Nachdem ein Verstorbener eingeäschert worden ist, kann er in einer speziellen Urne auf hoher See beigesetzt werden. Dafür bedarf es häufig einer Ausnahmegenehmigung. Zur Vorbereitung der Seebestattung holt der Bestatter den Toten von seinem Sterbeort ab. Die Angehörigen suchen einen Sarg aus. Meist wird ein preisgünstiger Sarg gewählt, weil der Leichnam darin für eine Seebestattung verbrannt werden muss. Die Kleidung für den Toten können die Hinterbliebenen bei dem Bestatter erwerben oder selbst stellen.
Nach der Trauerfeier wird der Verstorbene in das Krematorium überführt und eingeäschert. Die Asche wird in eine Seeurne gegeben. Diese speziellen Urnen bestehen aus Materialien, die sich nach der Beisetzung vollständig im Wasser auflösen: niedrig gebrannte Keramikgefäße aus Zellulose, gepresstem Sandstein oder anderen Mineralien. Anschließend erfolgt die Übergabe der Asche an die Reederei, die die Bestattung durchführt.

Diese bringt die Urne mit der Totenasche entweder in Begleitung von Angehörigen (abhängig von der Schiffsgröße oft auf 10 bis 12 Personen beschränkt) oder still, das heißt ohne Trauergäste, auf hohe See, wo der Kapitän in einer Zeremonie feierliche Worte spricht. Auch das Spielen von Trauermusik oder das Hissen einer Fahne sind möglich. Dann wird die Urne in einer Zone, in der weder Fischerei noch Wassersport betrieben werden, beigesetzt. Oft geschieht dies mit einem Blumengebinde, das dort auf der Wasseroberfläche schwimmt, wo die Urne in das Meer gelassen wurde. Je nach Angebot der Reedereien kann dies auch auf den Koordinaten versunkener Schiffe geschehen. Manche Bestatter und Reedereien bieten einen Auszug aus dem Logbuch und eine Urkunde mit den Koordinaten des Beisetzungsstandortes an. So kann die Beisetzungsstelle später in so genannten Erinnerungsfahrten erneut angesteuert werden.
Diese Bestattungsform ist seit 1934 möglich und am alten maritimen Bestattungsbrauch angelehnt, nach dem die Leichname von während der Fahrt verstorbener Matrosen auf hoher See beigesetzt wurden.

Um eine Seebestattung durchführen zu lassen, müssen folgende Punkte beachtet werden:

– In vielen Kommunen muss eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden.
– Manchmal ist eine Verbundenheit des Verstorbenen zum Meer Voraussetzung für eine Genehmigung. Meist reicht eine schriftliche Erklärung der Angehörigen, im Idealfall liegt eine schriftliche Bestattungsverfügung oder eine schriftliche Begründung des Verstorbenen vor.

Eine Seebestattung hat Vor- und Nachteile, die bedacht werden müssen:
+ Sie kann ein würdiger und individueller Abschied für eine Person sein, die das Meer oder die Schifffahrt liebte.
+ Die Kosten für eine Seebestattung sind zwar zunächst teurer, dafür fallen hinterher keine laufenden Kosten an.
– Es gibt keinen festen Ort, an dem getrauert werden kann. Einigen Menschen bereitet das Probleme bei der Trauerbewältigung.

Baumbestattung

Seit 2001 gibt es in Deutschland die Möglichkeit, sich im Wald beisetzen zu lassen. Parallel dazu weisen immer mehr kleinere und größere Anbieter entsprechende Areale mit variantenreichen Bestattungsformen aus. In der Regel wird die Urne mit der Asche eines Verstorbenen im Wurzelwerk eines Baumes vergraben.
Seit wenigen Jahren sind Teile natürlich gewachsener Waldbestände in Deutschland als Friedhöfe ausgewiesen. Die Areale sind öffentlich zugänglich. Spaziergänger im Waldgebiet werden nur durch Hinweisschilder auf den besonderen Ort aufmerksam gemacht. Sie befinden sich zum Teil in der Hand einzelner Gemeinden oder in kirchlicher Trägerschaft. Außerdem gibt es zwei Unternehmen, die bundesweit in einer Kooperation mit dem jeweiligen Forstamt und der zuständigen Kommune solche Einrichtungen betreiben: FriedWald und RuheForst.

In solchen Wäldern werden nur Urnenbestattungen vorgenommen. Im Idealfall hat der Verstorbene eine Bestattungsverfügung hinterlassen, die eine Einäscherung vorsieht, sonst muss eine Kremation beantragt werden. Wer für sich eine Friedwald-Bestattung wünscht, sollte schon im Vorfeld eine Bestattungsverfügung verfassen. In Friedwäldern finden bis zu zehn Urnen im Wurzelwerk eines Baumes Platz. Wer nur eine einzelne Ruhestätte benötigt, wird an einem Gemeinschaftsbaum platziert. Familien und Freunde, die eine gemeinsame Ruhestätte haben möchten, können sich einen gesonderten Baum aussuchen. Die Auswahl wird in der Regel bei einer Führung getroffen, die die zuständigen Förster anbieten. Je nach Größe des Baumes und Art des Baumgrabes kostet die FriedWald-Bestattung einmalig zwischen 770 und 6.350 Euro zuzüglich 225 Euro Beisetzungsgebühr.

Ähnlich funktioniert das Konzept des Ruheforstes. Hier gibt es so genannte Ruhebiotope. Damit werden Areale umschrieben, die durch verschiedenartige Elemente geprägt sind. Das kann ein Baum, ein Strauch oder ein Stein sein. Bis zu zwölf Urnen finden hier Platz, wahlweise in einem Gemeinschafts- oder einem Familienbiotop.
Friedwälder und Ruheforste haben für die Waldfläche ab dem Zeitpunkt ihrer jeweiligen Eröffnung ein Nutzungsrecht von 99 Jahren erworben. Wer sich für ein Friedwald- oder ein Ruheforst-Grab entscheidet, erwirbt das Nutzungsrecht für sein Grab bis zum Ablauf dieser 99 Jahre.

Weitere Informationen zum Thema:
Aeternitas e.V., Übersicht Friedhofswälder und sonstige Baumbestattungsorte in Deutschland

Aschestreuwiesen

Die Beisetzung von Totenasche ohne eine Urne wird in einigen Bundesländern durch gelockerte Bestattungsgesetze ermöglicht. Das wachsende Interesse an dieser Bestattungsform ist sowohl ein Schritt hin zu individuellen Bestattungswünschen, als auch zur Anonymisierung der Trauerkultur. Die Vorstellung, dass die Asche eines Verstorbenen an die Natur zurückgegeben oder an einem Lieblingsplatz ausgestreut wird, ist für manche Hinterbliebene ein tröstender Gedanke. Für andere ist das Verstreuen der Asche ein Zeichen von Freiheit und Ungebundenheit. In Deutschland ist das Verstreuen von Asche jedoch lange Zeit verboten gewesen. Begründet wurde das zum einen mit der Absicht, die Ausbreitung von Krankheitserregern unterbinden zu wollen. Doch vor allem aus kultureller Sicht stellt die Bestattung auf einer Aschestreuwiese einen Umbruch in der Bestattungskultur dar. Der christliche Jenseits- und Auferstehungsglaube spielt dabei eine geringere Rolle. Dafür steht der Gedanke der Rückkehr in den ewigen Kreislauf der Natur im Vordergrund.

Das wachsende Interesse an Aschestreuwiesen ist sowohl ein Schritt hin zu individuellen Bestattungswünschen, als auch zu einer Anonymisierung von Verstorbenen, sofern die Beisetzung namenlos erfolgt. Seit den 80er Jahren hat ein Umdenken eingesetzt. Bereits 1985 wurde auf dem Rostocker Westfriedhof eine Aschestreuwiese eingerichtet, die bis heute genutzt wird. Dabei handelt es sich um eine Wiesenfläche, die Besucher nicht betreten dürfen und auf der ein Mitarbeiter des Friedhofs die Asche oberirdisch verteilt.

Auch an anderen Orten in Deutschland, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, sind Aschestreuwiesen entstanden. Manchmal werden sie auch Aschestreufelder genannt. Dort erfolgt die Aschenbeisetzung ebenfalls ohne Urne, allerdings zumeist unter der Erde. Seit 2003 existiert auch in Nordrhein-Westfalen ein für deutsche Verhältnisse recht liberales Bestattungsgesetz. Es erlaubt etwa, dass Totenasche auf festgelegten Flächen auf dem Friedhof durch Verstreuung beigesetzt werden darf. Das gilt allerdings nur für den Fall, dass dies vom Verstorbenen gewünscht wurde. Zusätzlich ermöglicht es die Aschebeisetzung außerhalb des Friedhofes, wenn eine behördliche Genehmigung vorliegt und die Beisetzung bodennutzungsrechtlich zulässig ist. Zudem muss der Beisetzungsort öffentlich zugänglich sein und darf nicht in einer Weise genutzt werden, die der Totenwürde widerspricht.

Ob die Bestattung auf einem Streufeld anonym erfolgt oder ob der Name des Verstorbenen an einer Tafel angebracht werden kann, hängt vom jeweiligen Friedhofsträger ab. Manchmal sind zentrale Gedenkstellen eingerichtet, an denen Blumen abgelegt werden können. Die Entscheidung zugunsten einer Bestattung auf einem Streufeld kann auch aus Pragmatismus fallen: Diese Art der Beisetzung ist zumeist günstiger als eine traditionelle Erd- oder Urnenbestattung. Häufige Arbeitsplatzwechsel kann es Angehörigen zudem erschweren, ein Grab regelmäßig zu pflegen. Bei einer Bestattung auf einer Aschestreuwiese übernimmt entweder die Natur oder der Friedhofsträger die Grabpflege, sodass hohe Pflegekosten entfallen.

Naturbestattung im Ausland

In Deutschland werden Naturbestattungen nur an Orten, die ausdrücklich als Friedhöfe ausgewiesenen sind, genehmigt. Zwar entstehen hierzulande immer mehr dafür zugelassene Flächen, meist in Form von Friedhofswäldern und -feldern oder ähnlichen Anlagen, doch handelt es sich stets um pietätsbefangene Zonen. Eine Reihe von Anbietern hat sich mittlerweile aber auf weitere Angebote der Naturbestattung spezialisiert, die in verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt werden können.

Alle Naturbestattungen setzen eine Einäscherung voraus. Nach deutschem Recht gilt eine Urne auch als bestattet, wenn sie in ein anderes Land überführt wird. Wer eine reine Naturbestattung wünscht, kann also ins europäische Ausland ausweichen, da die Bestattungsgesetze dort weniger streng sind. So darf die Asche eines Verstorbenen in der Schweiz und in Spanien beispielsweise auf einer Almwiese, in einem Bach oder im Wind verstreut werden. Für diese Varianten entstehen meist recht geringe Kosten.

Etwas aufwändiger sind die Luftbestattungen. Dabei wird die Asche aus einem Flugzeug oder einem Heißluftballon heraus verstreut. In der Schweiz geschieht dies etwa über Appenzell oder großen Seen, in Spanien über der Sierra Nevada und der Bucht von Cádiz. Französisches Recht erlaubt das Verstreuen von Asche aus der Luft über dem Elsass. Die Asche kann auch im Rahmen einer so genannten Felsbestattung in der Schweiz und in Spanien beigesetzt werden. Dabei wird die Asche unter oder in der Grasnarbe eines Felsens beigebracht. Auch die Verstreuung an Steilküsten lässt sich in Spanien organisieren.

Weiterhin wird in einigen europäischen Ländern die Aschebeisetzung in Seen, Flüssen und Buchten angeboten, etwa im Lago Maggiore in der Schweiz oder in der Donau. Hier ist dann die Rede von Fluss- oder (etwas verwirrend) von Seebestattungen. Manche Anbieter ermöglichen auch eine Beisetzung in der Adria. In der Regel können Angehörige die Beisetzung begleiten. Allerdings muss dafür manchmal ein Aufschlag gezahlt werden. Bei Luftbestattungen und Beisetzungen in Gewässern kann die Teilnehmerzahl aufgrund von Platzmangel beschränkt sein. Da es sich bei Luft-, Gewässer- und Felsbestattungen um aufwändige Bestattungsformen handelt, fallen dafür oft höhere Kosten an, zum Beispiel für die Nutzung eines Flugzeuges oder Schiffes sowie für die Überführung.

Eine Kennzeichnung von Grabstellen ist bei Beisetzungen in der Natur in der Regel nicht möglich. Auf Wunsch übergeben einige Unternehmen den Angehörigen aber ein Dokument, in dem der Name des Bestatteten, das Datum und der Ort der Beisetzung verzeichnet sind.