Trauerreden und Bestattungen

Trauerreden und Bestattungen – es ist alles anders geworden…

Es war eine schöne Trauerfeier. Darf man das sagen?

Aber sicher darf man das sagen! Denn der Mensch, der auf einer Trauerfeier verabschiedet wird, hinterlässt Erinnerungen. Erinnerungen, die bleiben. Jeder von uns hat seine individuelle Lebensgeschichte. Und es tut gut, die gemeinsamen Erlebnisse auch in seiner Traurigkeit noch einmal Revue passieren zu lassen. Wir trauern gemeinsam um den verstorbenen Menschen, zeigen den Angehörigen und Zugehörigen unsere Anteilnahme.

Trauerredner:innen verstehen es, das Leben eines Verstorbenen noch einmal in Worte zu fassen, um es zu würdigen. Einige hören vielleicht beim Trauergespräch mit dem Bestatter das erste Mal von uns, den freien Trauerredner:innen. Oder sind selbst Gast der Trauergemeinde gewesen und haben anstatt eines Geistlichen eine:n freie:n Redner:in erlebt. Jede:r Redner:in hat seine oder ihre eigene Methode, um die Geschichte der verstorbenen Person zu erzählen und den Moment der Abschieds liebevoll zu gestalten.

Trauerreden und Trauerfeiern sollten so individuell sein wie das Leben

Wenn das zweite Zuhause des Verstorbenen der Garten war, warum nicht die Trauerhalle oder die Grabstelle für den Moment der Abschiednahme in einen Garten verwandeln? Und warum sollte nicht das Lieblingslied des verstorbenen Menschen oder ein Stück, das die Angehörigen mit ihrem Liebsten verbinden auf der Trauerfeier gespielt werden? Oder kann jemand aus dem nahen Umfeld eine Anekdote aus dem Leben der:s Verstorbenen erzählen oder das Lieblingsgedicht vorlesen? Die persönlichen Worte oder Lieder werden vielleicht Tränen auslösen, aber auch ein Lächeln hinterlassen. Es sind die ganz persönlichen Geschichten, die uns verbinden und Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse wach werden lassen.

An dieser Stelle möchte ich einmal kurz ausholen, um anzusprechen, was mir auf dem Herzen liegt und was ich bedrückend finde: Freie Redner:innen müssen bei Bestattungshäusern immer noch „Klinken putzen“, um sich vorzustellen und bekommen nur mit ganz viel Glück Aufträge. Ja so ist es. Leider.

Nur wenige Zugehörige wissen, dass sie Redner: innen frei wählen können

Bestatter:innen wissen um die Möglichkeiten, bieten aber oft keine Auswahl an, sondern arbeiten mit festen Redner:innen zusammen. Das hat kürzlich auch das Feedback auf eine kleine Umfrage von mir auf Instagram ergeben. Und wenn Zugehörige doch um die Wahlmöglichkeit wissen, kann Folgendes passieren, wie ich es kürzlich erst erfahren musste, als ich direkt angefragt wurde. Gerne mache ich meine Zusage, die Rede zu halten. Frage, welcher Bestatter zuständig sein wird. Und kann dann aus Erfahrung sagen, dass dieser Bestatter bestimmt jemand anderen vorschlagen wird. Und ich sollte leider Recht behalten. Entweder kamen die Zugehörigen nicht zu Wort, mochten dort ihren Wunsch nach einer von mir gehaltenen Trauerrede nicht aussprechen oder sie wurden vor Tatsachen gestellt, denen sie nicht widersprechen wollten.

Liebe Bestatter: innen, wollt ihr keine Auswahl?

Wollt ihr keine Individualität für die zu betreuenden Familien? Wollt ihr keine Veränderungen? Und wollt ihr es (neuen) Redner:innen und auch Trauersänger:innen schwer machen? Ich möchte natürlich nicht alle in einen Topf stecken und über niemanden schlecht reden. Auch möchte ich niemanden persönlich angreifen. Doch leider passiert es gerade neuen Trauerredner:innen immer wieder, dass sie „keinen Fuß in die Tür“ bekommen, weil Standardabläufe einfach weniger Aufwand bedeuten.

Aber ehrlich! Bestattungen sind doch kein All-Inclusive-Paket mit immer gleicher Ausstattung, Dekoration und Redner:innen.

Es sollte nicht sein, dass Zugehörige beim Besuch der Beerdigung des Nachbarn feststellen müssen, dass sie genau dasselbe schon einmal erlebt haben bei der Bestattung ihres verstorbenen Menschen ein paar Wochen zuvor. Dass Gedicht und Trauerrede austauschbar sind, nur die Namen und der etwas veränderte Wortlaut machen noch einen Unterschied aus.

Trauerfeiern

Das Leben der Menschen ist unterschiedlich und vielfältig! Bunt und individuell! So soll auch Abschied genommen werden.

Die Zeiten ändern sich. Tod und Trauer dürfen kein einheitliches grau und Tabuthema mehr sein. Hinzu kommt, dass in Zeiten des großen C-Virus sowieso alles etwas anders geworden ist. Das heißt aber nicht, dass nicht Abschied genommen werden kann. Es sollte sogar Abschied genommen werden! Ganz bewusst, ohne dass etwas fehlt. Es gibt Möglichkeiten und Wege, die es nicht nur den engsten Angehörigen ermöglichen, Abschied nehmen zu können. Sondern auch Freunden, Nachbarn und Kolleg:innen sollen und müssen die Gelegenheit bekommen.

Lasst uns trotz aller widrigen Umstände Wege für die individuelle Gestaltung von Abschieds- und Lebensfeiern finden. Gemeinsam können wir das schaffen!

 

Bilder und Text: Melanie Böckenholt

Kommentare

mood_bad
  • Noch keine Kommentare.
  • Kommentar hinzufügen