Trauernde Kinder

Corinna und Pia sind beide Kinderkrankenschwestern mit jahrelanger Erfahrung in der palliativen Begleitung Sterbender und ihrer Zugehörigen. Auf ihrem Instagram-Account teilen Sie ihre ganz persönliche Sicht und machen Mut, den Tod als das zu sehen, was er ist: ein Teil des Lebens. Wir freuen uns sehr, dass wir einige Texte zum Thema Kindertrauer auf Bohana veröffentlichen dürfen.

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Corinna und Pia
Kinderkrankenschwestern I Podcasterinnen

Spezielle Tipps zur Gesprächsführung mit trauernden Kindern

  1. Zuerst einmal möchte ich euch ermutigen, im Gespräch auf euer Gefühl zu hören. Denn nur ihr seid in diesem Moment involviert.

    2. Kinder stellen Fragen. Sehr direkte, offene Fragen und sie brauchen genau solche Antworten von uns. Das bedeutet nicht, dass ihr für alles eine Erklärung haben müsst.
    Wenn ein Kind fragt, ob der Opa sterben wird, braucht es ein klares Ja! Die Frage nach dem Wann, beantworte ich jedoch immer mit: „Das weiß ich nicht.“ Sie merken ganz genau, ob wir offen und ehrlich mit ihnen reden oder, Antworten geben, die schlicht und ergreifend nicht wahr sind. Was dann zurück bleibt ist der Zweifel an seinen Gefühlen, sich selbst gegenüber.

    3. Gern werden Metaphern für den Tod verwendet. Opa ist eingeschlafen, er ist von uns gegangen. Das kann dazu führen, dass Kinder Ängste entwickeln. Ängste vor dem Einschlafen – wenn ich jetzt schlafe, wache ich auch nie wieder auf. Wenn Papa verreist, kommt er nie wieder.

    4. Sie brauchen Klarheit. Opa ist gestorben. Aussagen, die sie greifen können. Ob sie verstehen was genau das bedeutet, hängt viel vom Alter des Kindes ab. Doch auch – oder gerade ein kleines Kind kann mit dieser Aussage begleitet werden. Denn es kann noch nicht mit Ironie oder Metaphern dieser Art umgehen.


5. Lasst euch im Gespräch, von ihnen leiten. Sie bestimmen den Verlauf und die Dauer. Stellen sie keine Fragen mehr, braucht es für den Moment auch keine Antworten mehr. Auch wenn es euch drängt noch mehr zu erfahren oder zu sagen. Lasst sie in ihrem eigenen Tempo.

6. Wenn ein Gespräch erzwungen wird, werden sie sich nicht öffnen, sondern weiter verschließen. Vermittelt ihnen, dass ihr da seid. Seid bereit für ein Gespräch, wenn SIE es wollen. Auch wenn es 1Uhr nachts ist.

7. Kinder fühlen sich sehr schnell schuldig an dem was passiert. Opa stirbt, weil er immer so traurig war, wenn ich nicht lieb war. Ja, solche Gedanken haben manche Kinder. Sie brauchen das Gefühl genau richtig zu sein, so wie sie sind. Nehmt ihnen ihre Schuldgefühle, versichert ihnen, dass sie es nicht sind!! Du hast keine Schuld! Opa stirbt, weil er alt/krank ist.

Kinder wollen ernstgenommen werden

Kaum jemand spricht gern darüber, doch Kinder haben viele Fragen.
Die zu beantworten ist keine leichte Aufgabe! Es gibt auch an dieser Stelle mal wieder keinen genauen Fahrplan, was zu sagen ist. Wichtig ist, dass ihr den Fragen nicht ausweicht oder sie auf später vertröstet, in der Hoffnung, sie vergessen es. Das werden sie nicht! Wenn der Zeitpunkt unpassend ist, könnt ihr das natürlich so kommunizieren und das Gespräch auf später verschieben. Bleibt da bei der Zeitangabe unbedingt in einem kurzen Rahmen und haltet das auch verlässlich ein.

Signalisiert den Kindern, dass ihr sie ernst nehmt. Um einen eigenen Umgang damit finden zu können, brauchen sie Antworten von uns. Offen und ehrlich. Mich hat die Frage erreicht, wie man „richtig“ mit Kindern über den Tod reden kann – ein Thema, was mir sehr am Herzen liegt. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt EURE Kinder, die alle ihren eigenen Weg haben! Ich glaube das Wichtigste ist, sie ernst zu nehmen!! Ihre Trauer ist echt – ganz egal, ob es die verstorbene Oma ist oder „nur“ die tote Taube. Kinder dramatisieren nicht und sie reagieren auch nicht über. Sie empfinden diesen Moment genau so – in genau dieser Intensität, die sich zeigt. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Wir müssen ihnen helfen, diese Gefühle annehmen zu können und ihnen Ausdruck zu verleihen.⠀⠀⠀⠀⠀


Unser Umgang mit solchen Situationen legt fest, wie das Kind später mit Tod und Sterben umgehen kann

-> Zeigen wir ihnen, dass es ganz normal ist traurig zu sein, zu weinen und auch Wut zu empfinden.⠀

-> Vermitteln wir ihnen, dass es völlig ok ist, laut und verzweifelt zu sein.

-> Nehmen wir sie in den Arm und versuchen zu verstehen.
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So können wir ihnen helfen, sich selbst und ihre Gefühle annehmen zu können.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Häufig wird versucht die Kinder abzulenken. Gedanken die dahinter stehen sind zum Beispiel:
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Ich möchte nicht, dass du weinen musst. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Ich möchte Dir die Last der Traurigkeit nehmen.
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Oder Aussagen, wie: Ist doch nicht so schlimm – hör mal auf zu weinen. Das ist jedoch ein fataler Trugschluss!⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
All ihre Gefühle brauchen Raum und Zeit, um heilen zu können. Sie dürfen weder versteckt noch durch Ablenkung vertuscht werden.