Trauerbegleitung – Wenn ein Tier stirbt

Trauerbegleitung - Wenn ein Tier stirbt

Wenn ein Haustier stirbt

„Ach wie schade! Er war Dir ein treuer Begleiter. Wann holst Du Dir denn einen Neuen?“

Häufig bekommen meine Kund:innen, die um ein Tier trauern diesen Satz zu hören, wenn sie erzählen, dass ihr geliebtes Haustier gestorben ist.

Eine Trauer um ein Tier existiert nicht. Sie sind nicht nur per Gesetz eine Sache, sondern meistens auch für das Umfeld. Dass dieses Tier tief im Herzen der Besitzer:innen verankert ist und der Tod einen tiefen Schmerz auslösen kann, wird leider nicht gesehen. Manche Haustiere sind Teil des Familiensystems, welches nun ins Wanken gerät. Die Trauer der Tierhalter:innen wird nicht ernst genommen, ist für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar. Die Betroffenen ziehen sich zurück, alleingelassen mit ihrer Trauer.

Trauerrituale sind hilfreich

Im Falle eines Trauerfalles können Rituale hilfreich sein. Das gilt auch beim Tod eines Haustiers. Ein Erinnerungssymbol wie zum Beispiel ein Halsband oder einen Anhänger an einer besonders schönen Stelle im Garten zu vergraben und mit seiner eigenen Lieblingspflanze zu verschönern, kann ein heilsames Abschiedsritual sein. Meinen Kund:innen, die diese Möglichkeit nicht haben, rate ich, diese Dinge in eine Erinnerungsschatulle zu geben, die sie selbst bemalen – oder bemalen lassen.

Wichtig ist mir dabei, die Trauer der Tierbesitzer:innen ernst zu nehmen und den Abschied eines Haustiers würdig zu gestalten. Dazu gehört auch, über Trauergefühle zu sprechen oder diesen mithilfe kunsttherapeutischer Methoden Ausdruck zu verleihen. Die Leere, die ein Haustier durch die geliebten Routinen im Alltag hinterlässt, lässt sich durch andere Gewohnheiten und Verhaltensänderungen zwar nicht füllen, aber vielleicht etwas abmildern.

Trauerbegleitung

Was wünschen sich betroffene Tierbesitzer:innen?

Personen, die den Verlust eines Haustieres betrauern, kämpfen vor allem mit der ungesehenen Trauer (Disenfranchised Grief) und dem Unverständnis ihres Umfeldes. Am schlimmsten ist für sie die Einsamkeit, erzählte mir eine Kundin. Sie würde sich über einen Anruf oder einen Besuch freuen, der ihr ermöglicht aus ihrer Isolation zu kommen. Allein schaffe sie es nicht. Keine dummen Sprüche, einfach etwas Mitgefühl. Das wiederum liegt einem anderen Kunden am Herzen. Diese Trauernden wollen in ihrer Trauer gesehen werden und von ihren Erinnerungen an das Tier erzählen. Sie wollen keine Scheu haben müssen, diese Traurigkeit auszusprechen. 

Wenn Kinder um ein Tier trauern

Kinder kommen oft das erste Mal mit dem Tod in Berührung, wenn ein Haustier stirbt. Viele Eltern reagieren besonnen, gestalten mit dem Kind ein schönes Abschiedsritual. Doch wenn sich die Trauer Tage oder Wochen danach in impulsiven Gefühlen wie Wut oder Zorn zeigt, sind sie ratlos. Der Bezug zu den facettenreichen Ausdrucksformen der Trauer wird oft erst erkannt, wenn das Kind den Namen des geliebten, verstorbenen Haustiers nennt.

Haustiere sind vor allem für Kinder Teil der Familie. Im Spiel erhalten Tiere menschliche Rollen. Und eine kindliche Kommunikation macht keinen Unterschied zwischen Tier und Mensch. Kinder suchen in Verlustsituationen nach Sicherheit, klaren Strukturen und Erklärungen. Erwachsene in ihrem Umfeld können, ohne die Trauer zu verharmlosen, dies anerkennen und darauf reagieren. Indem sie Erklärungen in altersgerechter Sprache liefern, ohne Ängste vor „dem Einschlafen“ und „dem Von-uns-gehen“ zu schüren. Haustiere sind in einem Kinderalltag Strukturgeber. Der Tod bringt eine plötzliche Veränderung. Neue Strukturen müssen sich erst etablieren.

Kinder sind kreativ und empfinden eine Bitte um ein gemaltes Bild für das Haustier als große Wertschätzung. Kleine Kinder können einen Steinkranz im Garten oder auf einer Wiese legen. Werden die Kinder in die Schritte der Erwachsenen miteinbezogen, so können sie diesen Verlust mitgehen und selbst besser Abschied nehmen.

Trauerbegleitung Tiere

Der Schatten der Schuld

Viele Menschen fühlen sich beim Verlust ihres Haustiers schuldig. Hat man als Besitzer „alles getan, was möglich war?“ „War es wirklich schon an der Zeit, das Tier von unnötigem Leid zu befreien?“ Diese Schuldgefühle als normal anzuerkennen und sie aus den Köpfen zu bekommen, ist Teil meiner Arbeit als Trauercoach. Die Themen Schuld, Scham und Leid sind fast immer Teil meiner Beratungen. Betroffene sind überfordert, wenn das Thema „Einschläferung“ zur Sprache kommt und hadern monatelang mit ihrem Entschluss. Aus Scham, in welchem Licht diese Zweifel gesehen werden können, wird nicht darüber gesprochen.

Transgenerationale Weitergabe

Gerade bei Besitzer:innen, die reich an Lebenserfahrung sind, kann der Verlust des Haustieres tiefe Wunden aufreißen, sogar Traumata hervorholen. Es gibt einige Studien zu transgenerationalen Traumata bei der sogenannten Kriegsgeneration. Als Kinder und Jugendliche gab es viel zu bewältigen, selten mit professioneller psychologischer Begleitung. Dies kann durch einen Verlust des Haustieres wieder hervorgeholt werden. Daher ist es sinnvoll, das Familiensystem und die Stellung des verstorbenen Tieres zu betrachten. In besonderen Fällen ist es ratsam, die Betroffenen an eine psychologische Fachkraft weiterzuleiten. 

Helga Schröck ist Systemische Beraterin, Trauercoach und Gründerin der Traueragentur Trotzdem-Dasein.

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