Kleidung mit Erinnerung

Was man mit der Kleidung machen kann

Anne Kriesel - Gründerin von Bohana
Anne

Schwierigkeit: Mittel  |  Arbeitsaufwand: ab 1 Stunde – je nach Projekt

Jedes Jahr, am Todestag meines Vaters, steige ich auf eine Leiter und krame eine leicht verstaubte Kiste aus dem obersten Schrankfach heraus. Ganz bewusst ist das für mich ein jährliches Ritual, ich schaue nicht öfter rein. Vielleicht auch, weil die Kiste tatsächlich nur über eine Leiter erreichbar ist 😉 So freue ich mich aber wirklich jedes Mal auf den Moment des Öffnens. Meinen Kindern geht es ähnlich, sie finden es spannend, an Opas Pfeife zu riechen, sein großes Jackett anzuziehen und darin zu versinken. „Soooo groß war Opa, echt?“ Meine Kinder wissen es einfach nicht, meine Tochter war 5 Monate alt, als er gestorben ist und mein Sohn durfte ihn nie erleben. Aber das Jackett, das ist da und es erzählt eine Geschichte, nämlich die von meiner Hochzeitsfeier – da hat er es getragen und es gibt ein ganz tolles Foto von meinem Papa, wo er aufsteht, um eine kurze Rede zu halten. Das Jackett ist somit ein Teil meiner Geschichte.

Was ich damit sagen will: jeder hat sicher diese besonderen Kleidungsstücke, die unter dem Bett oder in obersten Schrankfächern lagern, oder? Bei mir ist es tatsächlich mein Abiballkleid, meine nie getragenen Fußballschuhe und meine erste Lederjacke. Eine wilde Mischung. Das sind meine Erinnerungsstücke und ich erzähle meiner Familie gerne, warum ich sie noch aufhebe. Sie sollen die Geschichte zumindest kennen, damit sie später bewusst entscheiden können, was sie aufheben wollen oder nicht.

Sollte ich jetzt plötzlich sterben, dann wären für meine Kinder die Sachen wichtig, die sie persönlich mit mir in Verbindung bringen. Sehr wahrscheinlich meine Schals, in die sie sich gerne kuscheln, meine Mütze, die ich im Winter immer, immer, immer draußen trage oder mein Lieblingscardigan, den meine Tochter am liebsten jetzt schon übernehmen würde.

Wenn man sich um die Kleidung von Verstorbenen kümmern muss, dann fällt das Loslassen oft schwer. „Das hat er getragen, als…“, „in dem Kleid haben wir uns kennengelernt“, „diese Schuhe hat er eigentlich nie gerne getragen“, so kann man zu allem etwas sagen. Jedes Stück erzählt etwas, was macht man also damit?

Die Dinge, die nicht viel erzählen, die lassen sich leichter entsorgen. Es hilft, wenn sie zudem nochmal in gute andere Hände kommen. Es gibt sicher eine Kleiderkammer in deiner Nähe. Und der Rest? Man kann nicht alles aufheben, aber ich empfehle ca. 10 Stücke auszuwählen, mit denen man ganz besondere Momente verbindet oder die einfach typisch waren, die Karohemden oder die Fußballtrikots. Diese 10 Sachen behält man vorerst.

Meine Oma hat gerne Blusen getragen mit Blümchen oder kariert und als ihre Sachen aufgelöst wurden, habe ich meine Mutter gebeten, mir 3 Blusen rauszusuchen. Aus der einen Bluse habe ich meiner Tante eine Tasche für ihre Wollsachen zum Geburtstag genäht. Der Außenstoff war neu, innen der Blusenstoff ihrer Mama. Ja, ich glaube, dass sie sich wirklich sehr darüber gefreut hat. Und da gibt es viele Beispiele, was man machen kann, Puppenkleider für die Kinder zum Spielen, Kissenhüllen oder Kuscheltiere. Ich bin leider nicht sehr geduldig an der Nähmaschine, deshalb lege ich wichtige Nähprojekte dann doch gerne in Profihände. Sollte euch also der Gedanke gefallen, als Erinnerung aus den Kleidungsstücken nochmal etwas für euren Alltag zu schaffen, ihr selbst aber wie ich nicht so versiert im Nähen seid, dann gibt es zum einen den Schneider bei euch in der Nähe, den ihr sicher ansprechen könnt oder aber Menschen, die sich genau auf diese Form von Erinnerungen spezialisiert haben.

 

 

Und wer sich selbst gerne an einem leichten Projekt probieren möchte, ich finde ja Kissenhüllen wirklich machbar. Wenn dich der Kontext Sargkissen nicht stört, dann findest du eine Nähanleitung für ein Kissen hier.