Sie war vorbereitet, als ihr Kind starb

Der Sarg steht bei uns auf dem Dachboden, ich habe den Ablauf der Trauerfeier genau geplant. Die Karten habe ich schon vorbereitet und ich weiß, welche Musik auf der Trauerfeier gespielt werden soll.
Das sind die Worte einer Mutter.
Ein Gespräch mit einer Mutter ziemlich am Anfang meiner Hospizarbeit.
Ich war verwirrt und erstaunt, denn Ihrem Sohn ging es nicht akut schlecht.
Ich fragte Sie nach dem Warum.
Sie erklärte mir, ich weiß seit drei Jahren, dass mein Kind sterben wird.
Ich weiß nicht wann und wie, aber für danach möchte ich vorbereitet sein.
Ich möchte nicht Die Zeit nach seinem Tod mit Organisieren verschwenden.
Ich möchte hier bei ihm sein können und traurig sein können, ohne Stress.

Sie sagt, weißt du wenn ich auf Reisen gehe packe ich auch vorher meinen Koffer...

Das war sehr eindrucksvoll für mich!

Als fünf Jahre später ihr Sohn im Hospiz verstarb, hatte Sie viel Zeit zum Traurig sein. Vieles von dem, was Sie vorher zurechtgelegt hatte, hat Sie aus der Situation Ihres tatsächlichen Empfindens nochmal geändert.
Doch Sie hatte eine Basis ein Grundgerüst, einen gepackten Koffer und hat dann noch das ein oder andere ausgetauscht.

Kurzum Sie war vorbereitet.

Wir haben immer versucht, Eltern und Zugehörige auf Ihrem persönlichen Weg der Vorbereitung zu unterstützen.
Dazu gehört ein Wissen über „was Alles möglich ist“ in Bezug auf Sterben, Trauern und Abschied nehmen.

Nicht jeder kann und will sich Gedanken über die Musik bei der Trauerfeier machen oder gar jahrelang einen Sarg zuhause stehen haben.
Und darum geht es auch nicht.
Wichtig ist, zu wissen was kann, was darf und was muss.
Zum Beispiel die Möglichkeit, nach dem Tod den Sarg zu gestalten.
Ob ich das dann will bleibt ja meine Entscheidung, nur muss ich nicht erst in dem Moment anfangen tausende völlig neue Informationen zu verarbeiten.
Denn es ist eine absolute Ausnahmesituation und auch eine sensible Zeit des Abschieds, die nicht zurückkehrt.

Sich über den Tod und die Zeit danach Gedanken zu machen kann anfangs sehr befremdlich sein.

Vor allem, wenn es noch gar nicht akut oder sogar ungewiss ist. Ich habe auch erlebt, dass Eltern ein schlechtes Gewissen dabei haben, weil Sie sich dem Thema nähern, auch aus Sorge, es könnte nach außen wie Aufgeben wirken.

Ich habe allerdings nie Eltern oder Zugehörige erlebt, die nicht im Nachhinein dankbar waren, sich vorher Gedanken gemacht zu haben, um ein Stück vorbereitet zu sein.
Zumindest zu wissen, was für Möglichkeiten Sie haben.

Auch Konflikte oder Uneinigkeiten im Vorfeld geklärt zu haben ist in der Situation eines Verlustes eine große Erleichterung.
Und natürlich birgt Tod und Abschied und die Vorstellungen darüber ein großes Potential für Uneinigkeit.

Vorbereitet zu sein heißt auch, ein Stück weit zu begreifen was passiert. Vorbereitet sein schafft Zeit, die unendlich wichtig ist.

blank
Pia
Traudichkeit

Podcast -
Das Lebensende

blank

Wir hören regelmäßig den Podcast Das Lebensende von Pia und Corinna von Hommageansleben/Traudichkeit. Für zwei Folgen habe ich – wie von den Beiden empfohlen – alles bei Seite gelegt und mir vollkommen bewusst die Zeit genommen, wirklich ganz genau hinzuhören. Willkommen und Abschied von Ruby Teil I und Teil II. Carinas Tochter Ruby ist kurz nach der Geburt gestorben. Es ist wahnsinnig viel schief gelaufen an Kommunikation, Informationswegen und Bürokratie.
Intuition, ein Kämpferherz, die Ruby-Army und eine tolle Bestatterin haben den schweren Abschied von Ruby etwas leichter gemacht. Es lohnt sich sehr den Podcast zu hören, aber wir möchten an der Stelle betonen, dass er sehr berührt und aufwühlen kann.
Wir dürfen den Podcast verlinken, danke Carina, Pia und Corinna!