Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung

Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung

Eine neue Situation

Die Pflege von Zugehörigen zu Hause stellt eine enorme Herausforderung dar. Diese treten häufig plötzlich ein. Man wusste, dass sie eintreffen können; aber wie bereitet man sich darauf vor? Plötzlich steht man in der Situation und funktioniert einfach…. Irgendwie wird es schon gehen. So fallen vielerlei Anforderungen an. Zusätzlich entstehen ganz praktische Fragen rund um die pflegerische Begleitung: Wie helfe ich jemandem aus dem Bett? Wie unterstütze ich jemanden beim Drehen oder beim Toilettengang? Und wie so oft liegt die Herausforderung hier im Detail.

Benötigte praktische Kompetenzen

In der pflegerischen Betreuung benötigt es praktische Kompetenzen. Eine zentrale Frage dabei ist: Wie kann ich effektiv und schonend für beide Beteiligten das Gewicht der Person unterstützend bewegen? Denn gerade die belastenden Tätigkeiten wie die Transfergestaltung aus dem Bett heraus und – oft viel schwerer – wieder hinein oder das Aufsetzen auf die Bettkante, das Höherbewegen im Bett oder andere Transfersituationen wie Toilettengänge können eine erhebliche körperliche Belastung darstellen.

Und was geschah dann?

Desirée von Bohlen: 2017 habe ich den Verein Desideria Care e.V. gegründet mit dem Ziel, für das Thema Demenz zu sensibilisieren und gleichzeitig die Situation und Leistung der Angehörigen für die breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Kurz nach der Gründung traf ich Anja Kälin wieder, mit der ich meine Ausbildung zur Familientherapeutischen Beraterin absolviert hatte. Es dauerte keine halbe Stunde und wir wussten, dass es ab sofort einen gemeinsamen Weg gibt, unsere Ideen zu verwirklichen. Anja Kälin ist dem Vorstand beigetreten, und seitdem sind wir beide für die Geschicke des Vereins verantwortlich.

Kinaesthetics Pflegende Angehörige

Um in diesen Situationen eine konkrete Hilfestellung zu erhalten, wurde das Programm „Kinaesthetics Pflegende Angehörige“ entwickelt.
Es richtet sich an Personen, die ohne professionelle Ausbildung ihre pflegebedürftigen Zugehörigen oder Freunde pflegen und betreuen. In diesem Programm geht es besonders um die körperliche Entlastung der pflegenden Zugehörigen, wobei gleichzeitig Wert auf eine wertschätzende Interaktion gelegt wird. Diese verwirklicht sich auch in der direkten Gestaltung der praktischen Hilfe. Die Pflegenden helfen bei der Verrichtung alltäglicher Aktivitäten, wie zum Beispiel beim Aufstehen, Waschen, Ankleiden und Essen. Sie haben die Aufgabe, für die Lebensqualität des pflegebedürftigen Menschen zu sorgen und sollten sich selbst dabei möglichst schonen, dies umso mehr, wenn die Pflegetätigkeit über einen längeren Zeitraum geht.

Eigene Bewegungskompetenz erweitern

Jede pflegende Zugehörige pflegt mit den Bewegungskompetenzen, die ihr zur Verfügung stehen. In Kinaesthetics spielt daher die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten eine wichtige Rolle: Ich kann nur das in der Hilfe anbieten, was ich in mir trage. Daraus folgert, dass wenn ich mit mir pfleglich umgehe, auch die zu pflegende Person davon profitiert! Deshalb besteht ein Ziel von Kinaesthetics darin, die Qualität der eigenen Bewegung zu verbessern sowie den persönlichen Handlungsspielraum und die Anpassungsfähigkeit im Alltag zu vergrößern.

Verschiedene Möglichkeiten

In diesem Programm gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten der Unterstützung, die sogar meistens von den Krankenkassen übernommen werden:

  • Individuelle Praxisunterstützung vor Ort durch KinaestheticstrainerInnen

In diesem Fall kommt die TrainerIn zu Ihnen nach Hause und schaut mit Ihnen gemeinsam, was genau möglich ist und wie die eine oder andere Unterstützung gestaltet werden kann.

  • Grundkurse für Pflegende Angehörige

Der Grundkurs findet in unterschiedlichen Settings statt und wird von der Krankenkasse bezahlt. Sie finden Termine unter folgender Adresse: https://www.wir-pflegen-zuhause.de/kin-pflegende-angehoerige.cfm und/oder Sie setzen sich mit einer konkreten TrainerIn in Verbindung.

  • Aufbaukurse für Pflegende Angehörige

Die Frage der Finanzierung sollte mit der eigenen Krankenkasse/Kostenträger im Vorfeld besprochen werden.

 

Was Sie erwarten können?

In diesem Programm lernen Sie, auf der Grundlage ihrer eigenen Bewegungsmöglichkeiten, den zu Pflegenden angemessen zu unterstützen und soweit möglich sich selbst dabei schonend zu verhalten. Dies verhindert nicht nur, dass Sie durch diese Tätigkeit ihrer eigenen Gesundheit schaden, sondern führt auch zu größerer Mobilität, Selbstständigkeit und höherer Lebensqualität in der Begegnungssituation der Begleitung. So profitieren alle Beteiligten potenziell gleichermaßen, was sich auf die Lebensqualität auswirkt.

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Axel Enke
Kinästhetiktrainer und Ausbilder (EKA), Systemischer Coach, Supervisor und Lehrender für Berater (DGSF)

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