Sechs Wochen Sommerferien – mit Trauer im Gepäck

Von Patricia Bellmann und Kathrin Possik – Freddy & Oskar Trauerbegleitung

Trauer im Gepäck

Sommer, das klingt nach Flip-Flops, Eis am Stiel, Urlaub und Leichtigkeit. Die Sommerferien stehen vor der Tür. Sechs Wochen ohne Kita, Schule und gewohnte Routinen. Für viele Familien ist das die schönste Zeit des Jahres, eine Zeit der Erholung und Leichtigkeit. 

Für Familien in Trauer kann das jedoch ganz anders sein. Denn während draußen das Leben blüht, fühlt es sich drinnen leer an. Besonders, wenn die Sommerferien beginnen – sechs Wochen Ausnahmezustand. Während andere unbeschwert verreisen, lachen oder grillen, tragen trauernde Familien ihren Verlust mit sich. Manchmal ganz frisch, manchmal schon seit Jahren. Und gerade jetzt, wenn das Leben so laut ruft, kann die eigene Stille noch schwerer wiegen.

Ferien ohne Alltag – ein Ausnahmezustand voller Emotionen

Fehlen in den Ferien die haltgebenden Alltagsstrukturen wie ein fester Morgenablauf, feste Zeiten für Arbeit, Schule und Freizeit, bedeutet dies für Familien grundsätzlich aber auch ein Mehr an Organisation. Trauernde Eltern erleben zudem häufig eine zusätzliche Belastung, denn neben dem Organisationsaufwand entfallen die so notwendigen Rückzugsmöglichkeiten. Die eigenen Bedürfnisse scheinen kaum Platz zu haben. Freundinnen und Freunde, die unterstützen könnten, sind verreist.

Kindertrauer in der Ferienzeit

Auch Kinder trauern – auf ihre eigene Weise. Und sie tun das oft sprunghaft. Zwischen Spielen, Lachen, Langeweile, einem Wutanfall und dem plötzlichen Vermissen des verstorbenen Elternteils, der Großeltern oder des Geschwisters können nur Augenblicke liegen. In den Ferien, in denen Kinder mehr Zeit zu Hause verbringen, fehlen auch hier die haltgebenden Routinen. Dadurch kann ihre Trauer stärker in den Vordergrund treten und für Eltern sichtbarer und spürbarer werden.
Es ist wichtig, diesen Raum der Trauer zuzulassen, auch wenn es schwerfällt. Kinder brauchen keine perfekten Antworten. Sie brauchen das Gefühl, dass ihre Fragen, ihre Traurigkeit und ihre Emotionen willkommen sind.

Was hilft – kleine Inseln im Ferienmeer

Denn Trauer macht keinen Urlaub. Sie kommt mit. In den Koffer. Zwischen Sonnencreme, Matschhosen und Badesachen. Sie sitzt mit am Frühstückstisch. Und manchmal legt sie sich wie ein Schleier über Tage, die eigentlich leicht sein sollten.

Trauer in den Ferien zu begleiten, bedeutet nicht, die ganzen sechs Wochen „durchzuhalten“. Sechs Wochen Sommerferien mit Trauer im Gepäck sind kein Sprint. Sie fordern heraus wie ein Marathon.
Es hilft, kleine Inseln im Ferienmeer zu schaffen, für die Kinder und für dich selbst. Diese können Raum öffnen: für Nähe, für bewusste Erinnerung und für kleine Schritte in einem veränderten Leben. Vielleicht leise. Vielleicht tastend. Und dennoch bedeutsam.

  • Tagesstruktur, auch in der Ferienzeit
    Eine einfache Orientierung für euch als Familie, z. B. „morgens ruhig starten, nachmittags gemeinsam rausgehen“ oder „feste Essenszeiten” geben Sicherheit.
  • Plane mit Gefühl, nicht mit Zwang
    Ein dreiwöchiger Roadtrip kann überfordern. Vielleicht reicht auch ein Wochenende im Grünen oder ein Ferienprogramm um die Ecke. Frage dich ehrlich: Was tut euch gut?
  • Gemeinsames Planen
    Lass die Kinder mitentscheiden, worauf ihr Lust habt und was in der Ferienzeit gemacht wird. Das schafft Verbundenheit.
  • Trauer und Freude schließen sich nicht aus
    Du darfst lachen – auch wenn du jemanden vermisst oder dich die Situation überfordert.
    Und du darfst weinen – auch am Meer oder in den Bergen. Beides darf sein.
  • Sprich offen mit Kindern
    Kinder spüren, wenn etwas anders ist. Ein einfaches „Ich bin heute traurig“ schafft Verbindung und erlaubt auch ihnen, ihre Gefühle zu zeigen.
  • Schuldgefühle loslassen und Pausen machen
    Du darfst Pausen machen. Du darfst um Hilfe bitten. Und du darfst auch einmal sagen: „Heute geht nicht mehr.“ Auch kleine Auszeiten für dich wirken: Ein täglicher Spaziergang, ein Telefonat mit einer Freundin, ein Tagebuchmoment.
  • Kleine Rituale
    Rituale geben Halt. Ein Erinnerungsbrief, ein Gedenkstein im Rucksack oder ein Lied, das euch begleitet, können auch unterwegs Trost schenken.

Sonne, Sand und Erinnerungen – Reisen mit Trauer im Gepäck

Sicher ist, dass es eine besondere Zeit wird. Doch neben dem Schweren wird es auch die kleinen Glücksmomente geben. Beim gemeinsamen Eisessen, beim Lachen über einen Film, beim Toben im See. Sie sind der Beweis, dass Glück und Trauer nebeneinander existieren dürfen. Es ist kein Widerspruch, sondern das Leben in all seinen Farben und eine Einladung, sich darauf einzulassen.
Für dich. Für deine Kinder.
Für ein Leben, das sich neu sortiert hat – und weitergeht, Schritt für Schritt.

Über die Autorinnen

Trauerbegleitung Esslingen

Freddy & Oskar Trauerbegleitung
Patricia Bellmann & Kathrin Possik
Bestatter:in I Coaching & Beratung I Trauerbegleitung

Wir sind Kathrin und Patricia, zertifizierte Trauerbegleiterinnen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und vielfältigen Lebenserfahrungen. Zusammen sind wir Freddy & Oskar Trauerbegleitung.
Bei uns findest du unterschiedliche Angebote rund um die Themen Trauer und Verlust, wie Trauerbegleitung, Erinnerungsfotografie und Sternenkindbestattung.