
Es gibt Bücher, die wirken zunächst leichtfüßig – und hinterlassen dennoch einen tiefen Eindruck. „Acht Särge und ein Todesfall“ des schwedischen Autors Morgan Larsson gehört für mich genau zu dieser besonderen Sorte.
Die Geschichte dreht sich um den 72-jährigen Samuel Miller, der allein auf einer kleinen Schäreninsel lebt. Eines Tages fasst er einen ungewöhnlichen Entschluss: Er lädt acht fremde Menschen zu einem Tischlerkurs ein, bei dem sie innerhalb weniger Tage ihre eigenen Särge bauen sollen. Dabei geht es nicht nur ums Handwerk, sondern vor allem um die Auseinandersetzung mit Leben und Tod – und den Austausch darüber.
Die Gruppe könnte unterschiedlicher kaum sein:
Agnes (71) und Tom (74) reisen mit ihrem Hund Wuschel an. Sie betreibt einen Blumenladen, er war Steuerbeamter. Erst seit zehn Jahren sind sie verheiratet.
Lisa (37) und Omar (37) sind ein Paar seit Schulzeiten. Omar ist ein ehemaliger Fußballprofi, Lisa arbeitet in einem Hospiz und hofft auf einen neuen Blickwinkel durch das Sargtischlern.
Charlie (34), Finanzberaterin, will nach Jahren in London zurück nach Schweden und sucht durch den Kurs wieder Anschluss und soziales Miteinander.
Lars (61) besitzt eine chemische Reinigung, schreibt nebenbei Theaterstücke und führt Regie. In seiner Anmeldung schreibt er: „Erst in der Nähe des Todes lebt man wirklich.“
Victor (22), Student der Kunst und Philosophie, nimmt teil, um herauszufinden, was für Menschen sich auf so ein Experiment einlassen.
Gottfried (35), Vertreter, möchte pragmatisch seine Angst vor dem Tod verlieren – und das Tischlern lernen.
Die Geschichte dieser bunt zusammengewürfelten Gruppe wird mit viel Ruhe, Charme und typisch schwedischem Humor erzählt. Trotz der Vielzahl an Figuren bleibt man stets orientiert, denn jedes kurze Kapitel widmet sich einer einzelnen Person. Larsson gelingt es meisterhaft, mit wenigen Worten viel zu sagen und die Handlung trotz ständiger Perspektivwechsel flüssig voranzutreiben.
Es sind kluge, manchmal fast philosophische Gedanken über das Leben und Sterben, die zwischen den Zeilen aufblitzen. Larssons Erzählstil ist einfühlsam, kreativ und voller Wärme.
Ein Buch, das ich am liebsten jedem ans Herz legen würde – unbedingt lesen!
Über die Autorin

Birgit Hallam
Bonifatius Buchhandlung
Seit rund 25 Jahren bin ich mit Herz und Seele Buchhändlerin – und seit anderthalb Jahren auch mit tiefster Überzeugung Trauerrednerin.
Über die viele Jahre hinweg habe ich gespürt, wie sehr Bücher Trost spenden, Perspektiven eröffnen und Menschen in schwierigen Momenten begleiten können.
Ergänzende Empfehlung von Anne

Gründerin und Ideengeberin von Bohana
Im Bohana-Netzwerk findest du das Sargbau-Atelier. Dort kannst du unter fachlicher Anleitung einen Sarg selbst gestalten – allein oder im Workshop mit anderen.
Ein kraftvoller, persönlicher Weg, dem Abschied eine eigene Form zu geben.