Ein Plädoyer für Haustiere – und ihre Bestattung

asta & helena – DIE BESTATTERINNEN
Foto: 2020 WengelPhotography.com

Ein Plädoyer für Haustiere

– und ihre Bestattung

Als ich klein war, fand ich auf dem Nachhauseweg von der Schule einen angeschossenen Vogel. Ich trug ihn vorsichtig nach Hause, richtete ihm ein Lager in einem Schuhkarton hinter meinem Bett und rannte hoch in den dritten Stock zum Doktor und bat ihn, sich den Vogel anzuschauen. Doktor St. war Pathologe, aber das wusste ich damals nicht. Jedenfalls untersuchte er das Vögelchen, gab mir noch einige Ratschläge zur Versorgung und sagte, ich solle es ihm so schön wie möglich machen und so oft ich kann bei ihm sein, denn es würde nicht mehr lange dauern bis zum Tod. Und so geschah es. Als das Vögelchen gestorben war, ging ich in den nahegelegenen Schlosspark, vergrub es an einem Baum nahe der Panke und steckte auf das Grab einen Forsythienzweig.

Tierliebe und Tiertrauer gehören zusammen​

Unsere anderen Tiere wurden alle im Wald unseres Familiengrundstücks auf dem Land begraben. Vermutlich starb der Vogel am Wochenanfang, und ich wollte nicht bis zum nächsten Samstag mit dem Begräbnis warten. Diese Erinnerung lässt mich an zwei wesentliche Punkte denken, die beide bedeutsam für den Umgang mit verstorbenen Haustieren sind: wie wichtig es gerade für Kinder ist, den Abschied vom geliebten Tier zu zelebrieren, und wie gut es ist, zu wissen, dass das Tier seinen letzten Platz gefunden hat.

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Asta und Bonita

Haustiere sind – im wahrsten Sinne des Wortes – Lebensgefährten

Sie sind geliebte Begleiter im Leben der Menschen. Sie machen gute Laune allein durch ihre Anwesenheit und spenden Trost in schwierigen Zeiten, auch allein durch ihre Anwesenheit. Ein Hund zum Beispiel zwingt einen dazu, das Haus zu verlassen, auch wenn man sich am liebsten einigeln möchte, weil es einem nicht gut geht. Viele alte Menschen würden sich ohne Hund weniger bewegen, seltener an der Luft sein und weniger Gespräche haben.

Es ist längst erwiesen, dass es Menschen durch den Kontakt zu Tieren besser geht. Durch das Beobachten und Streicheln werden Glückshormone aktiviert. Umso schwerer wiegt die Trennung für immer.

Das RKI, welches ja nun seit COVID-19 in aller Munde ist, schreibt dazu: Als gesundheitsfördernd gelten eine höhere Lebenszufriedenheit durch das Gefühl des Gebrauchtwerdens, Stressabbau durch Tierkontakt und Beobachtung, vermehrte körperliche Bewegung und mehr Sozialkontakte. Bei älteren und chronisch kranken Menschen verbessert sich nachgewiesenermaßen dadurch nicht selten der subjektive Gesundheitszustand, was auch zur Folge hat, dass z. B. Ärztinnen und Ärzte weniger häufig aufgesucht werden und der Medikamentenverbrauch geringer ist.

Facettenreiche Möglichkeiten der Tierbestattung

Verdienen es also die Haustiere, beim Tierarzt gelassen zu werden, der den Kadaver zur Körperverwertung in die Tiersammelstelle gibt? Dies beantworten die Haustierhalter für sich oft mit einem klaren Nein. Und sie sind es unserer Erfahrung nach auch, die sich eher mit dem Thema Bestattungsvorsorge beschäftigen: Weil sie auch ihr Tier im Blick haben. Sie verfügen, dass sie mit der Asche des Tieres begraben werden wollen oder wohin das Tier kommen soll, falls sie eher sterben.

Wenn der geliebte Weggefährte stirbt, suchen immer mehr Besitzer nach Möglichkeiten der Bestattung. Nicht jeder hat einen Garten zur Verfügung, und einige möchten die Asche sowieso bei sich zuhause haben, in der Umgebung, in der sie mit dem Tier gelebt haben. Für uns ist es eine dankbare Aufgabe, Wege für Abschied und Bestattung aufzuzeigen, die oft gar nicht so im Bewusstsein sind.

Liebevolle Abschiednahme vom Haustier – auch für Kinder wichtig

Und sind Kinder beteiligt, so lernen sie ganz nebenbei, wie ihre Trauer durch einen schönen Abschied von ihrem Tier und eine liebevolle Bestattung zum Ausdruck gebracht werden kann. Und dass Trauern um etwas Geliebtes schwer, aber auch normal ist. Die Kinder begreifen Vergänglichkeit mitten in ihrem Leben. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich dem Vogel einen Namen gab oder es nur Vögelchen nannte, und ich weiß nicht mal mehr, was es für eine Vogelart war – aber ich denke noch heute bei jedem Spaziergang im Schlosspark an das kleine Geschöpf. Dort, wo das Vögelchen damals seine letzte Ruhestätte fand, ist der kleine Zweig zu einem prächtigen Strauch gewachsen.

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Letzter Abschied im Tierkrematorium

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