Digital Abschied nehmen, damit alle dabei sein können

Digital Abschied nehmen, damit alle dabei sein können

Gemeinsam Abschied feiern. Ein Geschenk an das Leben

Geburt und Tod, der erste und der letzte Atemzug, sind wohl die intimsten und speziellsten Momente im Leben eines Menschen. In beiden Situationen treffen andere die Entscheidung, wie der neu geborene Mensch willkommen geheißen oder der verstorbene Mensch verabschiedet wird. Im großen Rahmen oder im kleinen Kreis oder weder noch.

Menschen entscheiden und organisieren die Feier so, wie sie es passend finden. Oder im Idealfall beim letzten Fest so, wie die verstorbene Person es schön gefunden hätte oder wie es auch verabredet war. Auch hier gilt: Der eine so, der andere anders. Und nicht jedem ist nach einer Trauerfeier zumute.

Jene aber, die gerne feierlich Abschied nehmen möchten, stehen heutzutage vor einer großen Herausforderung. Familien und Freunde leben nur selten noch da, wo sie aufgewachsen sind. Die meisten haben verstreute Kreise. Eine „große“ Feier braucht dann einen größeren Vorlauf. Mag das beim Kinderwillkommensfest noch möglich sein, wird das beim letzten Fest, der Trauerfeier, schwierig bis unmöglich: Hier ist Spontanität gefordert. Und das in einer Zeit, in der pandemie-bedingt zusätzliche Hürden die gegenseitige Unterstützung in der Trauer erschweren: Versammlungsverbot, Reisebeschränkungen, Quarantäne-Verordnungen und geschlossene Hotellerie und Gastronomie. Der Wunsch nach Nähe und nach Ritualen bleibt unerfüllt.

Es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, Lebensabschnitte zu feiern und andere am gemeinsamen Erleben zu beteiligen. Das Abschied nehmen am Lebensende ist wichtig, um abzuschließen, was nicht mehr zurückkommt. Es schafft zugleich Raum, sich auch wieder zu öffnen – für das, was noch kommen wird. Aus gutem Grund ist das gemeinschaftliche Speisen der Trauergäste im Anschluss an eine Beerdigung das weltweit am weitesten verbreitete Ritual im Zusammenhang mit einem Todesfall. Zusammenhalt, Verbundenheit, Nähe und Zuversicht wollen ausgelebt werden. Der feierliche Rahmen der Bestattung und im Anschluss das zwanglose Beisammensein beim Leichenschmaus verbinden die Hinterbliebenen und schaffen sozialen Zusammenhalt.

Natürlich gibt es Menschen, die lieber alleine trauern. Doch wenn Feiern und Trauern gewünscht, aber nur eingeschränkt möglich ist, schmerzt das jene im Trauerfall besonders, wenn es heißt: Wir feiern im engsten Kreis und du kannst jetzt nicht dabei sein. Denn: Das letzte Fest kann nicht verschoben werden. Genau hierfür sind digitale Trauerfeiern eine zeitgemäße und corona-konforme Möglichkeit.

Was ist eine digitale Trauerfeier?

Bei einer digitalen Trauerfeier trifft sich die Trauergemeinde in einer moderierten Videokonferenz. Beim virtuellen Trauercafé erleben die Trauergäste die Bestattung und den Leichenschmaus online – in Form einer Zoom-Konferenz.

Die Bausteine unserer digitalen Trauerfeiern:

  • Eigenes passwortgeschütztes Virtuelles Trauerbuch, von dem es zur digitalen Trauerfeier geht
  • Livestream und Aufzeichnung der Bestattungszeremonie
  • Moderierter Trauertalk zum Austausch der Trauergemeinde
  • Live-Musiker:in (Solist:in/Duo) aus dem eigenen Studio zugeschaltet
  • Zuschaltung einer Trauerredner:in, die eine individuelle Rede online vorträgt
  • Spenden-Option (Online-Kollekte als Kostenbeteiligung)
  • Online-Kondolenzbuch mit Beiträgen der Hinterbliebenen
  • Video-Clip mit Beiträgen aus dem virtuellen Trauerbuch
  • Video-Dokumentation (geschnittenes Erinnerungsvideo) der gesamten Trauerfeier

Erinnerungen teilen

Die Gäste teilen Erinnerungen an den Verstorbenen, eine individuelle Trauerrede wird vorgetragen, ein:e Sänger:in singt – alles digital. Es kann ein Livestream zur Zeremonie in der Trauerhalle, der Kapelle oder von der Grabstätte zugeschaltet werden. Während der Feier kann auch vom digitalen in den analogen Raum gewechselt werden, beispielsweise um die Trauergemeinde am Grab an der musikalische Begleitung der digitalen Trauerfeier teilhaben zu lassen oder um die Trauerrede in die Trauerhalle zu übertragen.

Im Anschluss an die digitale Trauerfeier wird aus der gesamten Feier ein Erinnerungsvideo erstellt. So kann auch der kleine Kreis, der vor Ort bei der Bestattung teilgenommen hat, im Nachgang die tröstenden Worte der digitalen Trauergemeinde erfahren.

Digitale Trauerfeier

Digital Abschied feiern heißt, Grenzen von Zeit und Raum überwinden

Digital Abschied nehmen ist kein Ersatz für die Abschiednahme vor Ort, aber mitunter eine sehr hilfreiche Option. Es kann schließlich viele Gründe geben, warum jemand nicht an der Beerdigung teilnehmen kann. Jenseits gesetzlicher Regelungen sind es nicht selten auch gesundheitliche Aspekte, weshalb Hinterbliebene nicht reisen können.

Ein Erlebnis hat uns besonders berührt: Nur durch die Ausrichtung einer digitalen Trauerfeier konnte sich ein hochbetagter Herr von seiner großen Liebe verabschieden. Gestützt durch Pflegekräfte konnte er die Beerdigung live verfolgen und die Trauerrede seines Sohns in der Kapelle gut sehen und hören. Der Freundeskreis des Paares war weltweit verstreut, bei der digitalen Feier gab es Teilnehmer aus vier verschiedenen Zeitzonen. Sie richteten über das Internet persönliche, tröstende Herzensworte an ihren zutiefst traurigen Freund und stützten ihn so auf ihre Art. Anders hätten sie gar nicht dabei sein können.

Während der engste Kreis von der Kapelle zur letzten Ruhestätte zog, sang unsere Sängerin online Ave Maria für die Trauergemeinde und überbrückte so die Zeit, bis der Pfarrer am Grab die letzte Aussegnung vornahm. Den finalen Abschied der Kernfamilie auf dem Friedhof haben wir in der digitalen Trauerfeier ebenfalls mit Live-Gesang begleitet. So konnte die digitale Gemeinde die Beisetzung zeitgleich per Livestream erleben.

Mit der digitalen Trauerfeier bringen wir Menschen im virtuellen Raum zusammen, damit sie zusammen Abschied nehmen können

In Köln, wo unser Unternehmen sitzt, sagen wir „Jede Jeck is anders“ und meinen damit, dass jeder Mensch respektiert und gewertschätzt werden soll. Ganz gleich, wie er:sie ist oder war und gerade weil jeder Mensch per se anders ist. So ist auch unsere Haltung, mit der wir die digitalen Trauerfeiern ausrichten. Die Feier soll zur verstorbenen Person und zum Anlass passen.

Wir meinen: Jeder Mensch hat ein schönes letztes Fest verdient. Und möchten mit der digitalen Trauerfeier unseren Teil dazu beitragen. Als Ergänzung zur Bestattung und als würdevollen Rahmen, mit dem das Lebensende feierlich abgeschlossen und persönlich Abschied genommen werden kann.

Simone May ist Gründerin und Geschäftsführerin von Digitale Trauerfeier. Die Diplom-Kommunikationswirtin berät seit mehr als zwanzig Jahren Unternehmen und Menschen in Veränderungsprozessen und herausfordernden Lebenssituationen.

Kommentare

  • Elke Klengel
    2. Juli 2021 um 9:10

    Ein toller Bericht über eine großartige Möglichkeit, Menschen in einer so schweren Situation zusammenzubringen.

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