Bestattungspflicht

charonstochter
Bestatterin

Für welche Bestattungen bin ich eigentlich verantwortlich? Also wann bin ich verpflichtet, mich zu kümmern und alle Entscheidungen zu treffen?

Bei mir ist das die Bestattung von meinem Mann, meinen Eltern (weil die alten Hippies immer noch in wilder Ehe leben) und meinen Kindern. Sollten meine Eltern schon gestorben sein und meine Schwester nicht geheiratet haben, bin ich auch für ihre Bestattung verantwortlich.
Für mich ist das so in Ordnung und ich weiß von diesen Leuten auch ungefähr, was ihnen wichtig wäre.
Noch vor 5 Jahren wäre es allerdings anders gewesen. Damals hätte ich nichts zu melden gehabt, wenn mein Freund gestorben wäre. Seine Eltern hätten alles bestimmt. Da uns das beiden auch damals schon nicht recht war, haben wir eine Bestattungsverfügung gemacht. Ich lade also an dieser Stelle alle ein, kurz darüber nachzudenken, für welche Bestattungen ihr derzeit verantwortlich seid und ob das für euch stimmig ist. Und für welche Bestattungen ihr vielleicht gerne verantwortlich wärt, es aber nicht seid. Also vermutlich die meisten langjährigen Partnerschaften ohne Trauschein, wo dann die Eltern an erster Stelle kommen.

Hier also die Reihenfolge der Personen, für die ihr verantwortlich seid (vereinfacht, da auch von Bundesland zu Bundesland etwas unterschiedlich in den Details):

  1. Meinen Ehepartner und meine unverheirateten Kinder
    2. Meine Eltern, wenn sie keinen Ehepartner mehr haben
    3. Meine Geschwister, wenn unverheiratet und die Eltern verstorben
    4. Menschen von denen ich etwas erbe
    5. Verwandte dritten Grades, die keinen näheren Verwandten haben
        Wenn es z. B. mehrere Geschwister gibt, ist man gemeinsam verantwortlich und muss sich irgendwie einigen.

    Wer darf eigentlich entscheiden, was mit mir nach meinem Tod passiert?

Ist nichts anderes verfügt, sind es die Bestattungspflichtigen. Bei mir wäre das mein Mann (ein Grund weshalb ich geheiratet habe). Meine Eltern haben nie geheiratet. Wenn meine Mutter gestorben wäre bevor ich 18 geworden wäre, wären ihre Eltern zuständig gewesen und nicht mein Vater. Der hätte offiziell gar nichts zu melden gehabt und wäre abhängig von der Kooperationsbereitschaft seiner „Schwiegereltern“ gewesen. Ab meinem 18. Geburtstag wäre ich verantwortlich gewesen. Auch in allen anderen Fragen wie Organspende oder lebensverlängernde Maßnahmen hätte ich unterschreiben müssen. Ich empfand das damals als Überforderung und habe meine Eltern gedrängt, verschiedene Verfügungen zu machen, um sich gegenseitig zu betrauen. Haben sie dann irgendwann auch gemacht.
Man darf sich natürlich auch einigen. Die Eltern meiner Mutter oder ich hätten das Totenfürsorgerecht auch an meinen Vater abgeben können und dann hätte er das alles selbst entscheiden können. Da ist man aber davon abhängig, dass alle das eine gute Idee finden und auch klar ist, wie das finanziell dann läuft.

Ich habe als Bestatterin schon ganz wunderbare Prozesse erlebt, wo allen klar war, dass die unverheiratete „Schwiegertochter“ die Witwe ist und für sich und die Kinder entscheiden darf, was gut ist. Aber es gibt einfach auch Familienverhältnisse, bei denen Lebenspartner, die viele Jahre zusammengelebt haben, plötzlich völlig außen vor sind und von der Herkunftsfamilie raus gedrängt werden. Besonders gefährdet sind oft queere Lebenspartnerschaften, aber das kann überall passieren.

Überlegt mal, wer für euch verantwortlich ist und ob ihr das gut findet: 1. Ehepartner*innen, 2. Eltern bzw. Kinder,
3. Geschwister. Dann wird es komplizierter und unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Kann man aber googeln. Bei den Menschen, bei denen der Familienstand beim Standesamt nicht der Lebensrealität entspricht, könnte es sinnvoll sein, einiges schriftlich zu verfügen.