Anne Kriesel – Nach mir die Sintflut

Nach mir die Sintflut

Die kleinste Vorsorge der Welt

Wenn ich mit Menschen darüber ins Gespräch komme, was ich genau beruflich mache, gibt es neben viel Interesse auch häufig die Aussage: „Ach, sowas brauch ich nicht. Nach mir die Sintflut.“ Menschen, die so reagieren, interessieren sich sicher nicht für eine Plattform wie Bohana. Erreichen tun wir in erster Linie die, die durchaus bereit sind, einmal auf die Themen Sterben, Tod, Trauer und Vorsorge zu gucken, aber Türöffner – wie uns – brauchen. Und trotzdem piekst mich die Sintflut-Aussage jedes Mal an.

Ich habe dazu eine ganz klare Position. Ich bin 40 Jahre alt, habe eine Frau, zwei kleine Kinder, eine Mutter, zwei jüngere Geschwister und weitere sehr wichtige Herzensmenschen in meinem Leben – Menschen, die ich liebe und die in meinem Todesfall auf unterschiedlichen Ebenen involviert und betroffen sein werden. Diese Menschen sind für mich besonders und neben ganz viel Liebe und Fürsorge trage ich für die Beziehung auch eine Verantwortung. Eine Verantwortung über meinen Tod hinaus.

Von der Belastung zur Entlastung

Ich habe die Wahl, ob ich meine Liebsten vor viele Fragezeichen stelle, ob sie regelrecht überflutet werden mit Entscheidungen, die sie innerhalb kürzester Zeit ohne Anhaltspunkte treffen müssen – oder ob ich ihnen alles was sie brauchen, übergebe. Meine Wünsche, meine Vorstellungen, aber auch vielleicht meine Haltung übermittle, die lauten könnte: es ist mir persönlich nicht wichtig, ob Blumen oder nicht –  bitte entscheidet ihr, was das Richtige für euch ist.

Ein großer Unterschied

Es liegt ein wirklich sehr großer Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen und Handlungen:

  • Nach mir die Sintflut zu sagen und nichts vorzubereiten.
  • Nach mir die Sintflut zu sagen und zu ergänzen, bitte entscheidet ihr alles – ich vertraue euch und möchte, dass es euch gut geht. Ich möchte nichts festlegen, was euch vielleicht unbedacht Kummer macht.

In der zweiten Aussage steckt so viel mehr drin: Liebe und Umsicht, es zeigt, du hast dir Gedanken gemacht, du möchtest, dass es deinen Lieben gut geht. Das ist für mich die Minimalvorsorge – die kleinste und einfachste Vorsorge, die du treffen kannst und die bereits einen großen Unterschied ausmachen kann für die Menschen, die bleiben.

Habe ich alles richtig gemacht?

Denn wenn ich ohne jeglichen Anhaltspunkt, was dir wichtig gewesen wäre, beim Bestatter sitze und der fragt mich nach Feuerbestattung oder Erdbestattung, dann gibt es eine 50%ige Wahrscheinlichkeit, dass ich die falsche Entscheidung treffe. Ich muss mich aber entscheiden und werde mich immer fragen, ob es die richtige Entscheidung war.

Patientenverfügung und Co. sind wichtig, aber Du kannst auch erstmal noch viel kleiner und grundsätzlicher anfangen.

Ich möchte dich ermutigen, die kleinste Vorsorge der Welt einmal auszuprobieren. Zu überlegen, ob es wirklich wichtige Dinge für dich gibt, die unbedingt nach deinen Wünschen erfüllt werden sollen oder ob du dich wohlfühlst mit der ganz bewussten Haltung: Bitte entscheidet ihr, was gut für euch ist.

Ein kleiner Satz, der unglaublich entlasten kann.

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Anne Kriesel - Gründerin von www.Bohana.de

Kommentare

  • Heinke Güdemann
    28. Februar 2021 um 18:51

    Ja, liebe Anne, genau so ist es: vorbereitet zu sein, wenn das Natürlichste eines Menschenlebens passiert, nämlich Abschied nehmen…. Vielleicht bin ich ein ordentlicher Mensch und möchte meinen Haushalt auch ordentlich hinterlassen, es beruhigt mich auch wenn ich weiß, dass er mir noch nicht ordentlich genug ist – aber ich denke dran, ich arbeite dran! Ich habe schon so gute Tipps und Bücher von euch bekommen, teilweise schon umgesetzt und kann bestätigen: es tut gut, schließlich ist es MEIN LEBEN, welches ich ruhig abgeschlossen haben möchte….

  • Bärbel Amels
    7. März 2021 um 13:14

    Liebe Anne, das ist wunderbar geschrieben und schon mit einer „kleinen“ Botschaft ist so viel an Entlastung für die Menschen, die wir lieben, möglich. Am Ende ist, wie Du sagst, alles eine Frage der Haltung.

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